Eisenstadt: Da fährt die Eisenbahn drüber, oder auch nicht

30. September 2017, 08:30

Der rote Wahlkampf in der schwarzen burgenländischen Hauptstadt machte die schnelle Bahnverbindung nach Wien zum Thema. Das war nicht nach aller Genossen Geschmack.

In der beschaulichen burgenländischen Landeshauptstadt geht ein weitgehend geruhsamer Kommunalwahlkampf zu Ende. Bürgermeister Thomas Steiner – der vorläufig letzte einer beeindruckend langen Reihe schwarzer Stadtoberhäupter – gibt sich demonstrativ gelassen. Auf die Frage des STANDARD, ob ihm diesmal eventuell gar der Gang in die Stichwahl am 29. Oktober drohen könnte, schmunzelte er.

2012 kam er im ersten Bürgermeister-Wahlgang auf immerhin 53,5 Prozent. Günter Kovacs, der rote Herausforderer (2012 29 Prozent), schaut diesbezüglich lieber auf die Tendenz. Steiners Vorgängerin, Andrea Fraunschiel, kam 2007 auf noch 60 Prozent, einst waren es gar drei Viertel.

Erfahrene Opposition

Kovacs‘ Oppositionskollegen – die grüne Yasmin Dragschitz und der blaue Géza Molnár – bescheiden sich damit, auf die schwarze Absolute im Gemeinderat (15 von 29 Mandaten) loszugehen. Beide sind erfahrene Kommunalpolitiker. Dragschitz sitzt seit 2002 im Stadtparlament, Molnár, Klubobmann der FPÖ im Landtag, seit 2007. Kovacs, Vizebürgermeister seit 2009, hat diesmal aber höheres im Sinn: Er fordert Steiner zum direkten Duell.

Vollzeit-Stadtchef

Entsprechend forsch der Wahlkampfauftritt. Zu 100 Prozent Prozent werde er Bürgermeister sein, ruft er von den teils großflächigen Plakaten, Eisenstadt verdiene nämlich einen Vollzeit-Bürgermeister. Steiner ist, wie er, Abgeordneter im Landtag. Kovacs verspricht, dieses Mandat zurückzulegen im Fall des dann doch höchst überraschenden Falles.

Finanziell kann er das wohl tun. Anfang des Jahres wurden im Zuge des neuen, einstimmig verabschiedeten Gemeinderechtspakets, die Bürgermeister-Entgelte angehoben. Steiner, Teilzeit-Bürgermeister des 14.000 Einwohner großen Eisenstadt, erhält nun brutto 7400 Euro. Kovacs würde vollzeit um 25 Prozent mehr verdienten.

Bahnschleife

Eine weitere Plakat-, um nicht zu sagen plakative Forderung von Kovacs ist die von allen Eisenstädter Politikern seit Jahrzehnten herbeigebetete engere Bahnanbindung an Wien. In 35 Minuten solle man in der Bundeshauptstadt sein können. Thomas Steiner reagiert darauf achselzuckend: "Sowohl Kovacs als auch der Landehauptmann hätten Zeit genug gehabt, im roten Infrastrukturministerium entsprechend Druck zu machen."

Hat man, sagt Kovacs. Auf der Facebook-Seite der SPÖ Eisenstadt hieß es am Dienstag: "Kovacs verleiht Schienen! Günters Druck zeigt Wirkung. Schon 2018 beginnt das Genehmigungsverfahren für die schnelle Bahn nach Wien."

Roter Krisengipfel

Dummerweise führt die beschleunigende Gleis-Schleife über Wulkaprodersdorf. Die dortigen Genossen reagierten dementsprechend empfindlich und facebookten umgehend: "Die SPÖ Wulkaprodersdorf zeigt sich verwundert über die heutige Aussage der SPÖ Eisenstadt über das Bahnschleifenprojekt."

Man traf sich – am Sonntag tritt man ja da wie dort an gegen einen schwarzen Bürgermeister – zum innerparteilich-nachbarschaftlichen Krisengipfel. Die roten Spitzenkandidaten, Günter Kovacs und Markus Krojer fanden eine, dann auch auf Facebook unters Wahlvolk gebrachte Lösung: "Klar ist beiden: Die Bahnschleife darf nicht um jeden Preis gebaut werden." (Wolfgang Weisgram, 29. 9. 2017)

Wahlergebnisse 2012