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Hirscher: "Ich bin ein gesegnetes Kind"

28. September 2017, 13:45

Skistar ist zum zweiten Mal in seiner Karriere verletzt. Wenn alles gutgeht, will er im November in Levi sein Comeback geben

Wien – "Training, Therapie, Schlafen, Essen." So beschreibt Marcel Hirscher die vergangenen sechs Wochen. "Mir war keinen Tag, keine Stunde langweilig." Am Donnerstag war der Tagesablauf anders. In Wien berichtete er über sein Befinden, seine Pläne, seine Reha.

Jedes Jahr steht Hirscher Ende September Journalisten und Journalistinnen Rede und Antwort. "Es war nicht immer so, dass ich mich auf eine Pressekonferenz gefreut habe", sagte Hirscher. Dieses Mal sei es so gewesen. Weil dieses Jahr anders ist.

Am 17. August zog sich der Salzburger bei einem Trainingssturz am Mölltaler Gletscher einen Bruch im linken Außenknöchel zu. Sechs Wochen sind seither vergangen. Sechs Wochen, die Hirscher als "Achterbahnfahrt" beschreibt. "Von Verzweiflung bis Glücksmomenten war alles dabei."

Derzeit geht es ihm "ziemlich gut. Es passt. Der Heilungsverlauf ist positiv." Den Gips ist er los, er geht ohne Krücken. An Skifahren ist aber vorerst nicht zu denken. Wenn alles gut geht, will er Ende Oktober wieder auf die Piste. Und "wenn ein kleines Wunder passiert", dann könnte er schon in Levi, wo am 12. November ein Slalom auf dem Programm steht, sein Comeback geben. Da ginge es aber nur darum, mitzufahren.

Sölden ist keine Thema

Der Weltcup-Auftakt in Sölden (29. Oktober) sei definitiv kein Thema. Nach Levi geht es mit einem Speed-Wochenende in Lake Louise weiter (25./26. November). Eine Woche später steht in Beaver Creek neben Super-G und Abfahrt auch ein Riesentorlauf auf dem Programm. Ebenfalls ein möglicher Comeback-Termin für Hirscher.

Vorerst trainiert er an seiner Kondition. An Kraft hat er kaum eingebüßt. Es sei ein Konzentrationsfehler gewesen, der zu dem Sturz bei seinem ersten Schneetraining geführt hatte. Es war eine Fahrt mit ganz kurzen Slalomstangen, beim letzten Tor fädelte er ein. Dumm gelaufen. "Nie wieder fahre ich mit kurzen Stangen." Diese werden häufig bei ersten Trainingseinheiten verwendet, damit man sich auf die Schwünge konzentrieren kann. "Der Schmerz war groß. Ich bin sofort aus dem Skischuh raus."

Zweite Verletzung

Es ist die zweite Verletzung in Hirschers Weltcup-Karriere. 2011 hatte er sich kurz vor der WM in Garmisch einen Kahnbeinbruch im linken Fuß zugezogen. "Damals bin ich aus dem Gips raus, und ich war wie Forrest Gump." Diesmal sei er nicht ganz so spritzig gewesen. "Ich bin eh ein gesegnetes Kind. Einmal hat es mit 21 gescheppert, einmal mit 28."

Im Training will er nun Schritt für Schritt die Intensitäten steigern. Das eine oder andere Up, das eine oder andere Down werde noch auf ihn zukommen. Stress macht sich Hirscher keinen. Er bezeichnet sich als geduldigen Menschen. Über Saisonziele hat sich der sechsfache Gesamtweltcup-Sieger vorerst keine Gedanken gemacht. "Ich habe 20 bis 30 Tage Trainingsrückstand." Dass ausgerechnet heuer die Taillierung der Riesentorlauf-Ski verändert wird, kommt aus Hirschers Sicht eher ungelegen. "Ich habe null Erfahrung damit."

Der Höhepunkt im kommenden Winter sind die Olympischen Spiele. Olympiagold fehlt Hirscher noch. Aber nach Pyeongchang will er nicht um jeden Preis fahren. Die Lage in Korea ist angespannt. "Wenn sich die Lage verschärfen sollte, bleibe ich lieber zu Hause." (Birgit Riezinger, 28.9.2017)