Ausrottungskampagne gestoppt: Hochgiftige Schlange plötzlich schützenswert

28. September 2017, 17:20

Die gefürchtete "Cobra-preta" von São Tomé ist doch keine Invasorin – ganz im Gegenteil

São Tomé – Soll keiner mehr sagen, die biologische Taxonomie wäre eine Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm. Sie kann sogar über Leben und Tod entscheiden, wie ein aktueller Fall um eine Schlange zeigt, die bislang völlig verkannt worden war.

Auf der Insel São Tomé im Golf von Guinea lebt eine Kobra-Art, die für ihr Gift gefürchtet ist und von den Einheimischen "Cobra-preta" genannt wird. Wegen ihres Aussehens hielt man sie für Schwarzweiße Hutschlangen (Naja melanoleuca), eine von West- bis Südafrika verbreitete Kobra-Art. Wie das Tier durch menschliche Hilfe auf die 200 Kilometer vor der afrikanischen Küste gelegene Insel kam, darüber gab es nur wenig glaubhafte Legenden. Auf jeden Fall hielt man die Schlange für eine Bioinvasorin und plante wegen ihres tödlichen Nervengifts bereits eine Ausrottungskampagne.

Die darf nun wieder abgesagt werden: Dem Biologen Luis Ceríaco von der Villanova University im US-Bundesstaat Pennsylvania waren einige Unterschiede zur Hutschlange aufgefallen: Die Insel-Kobra hat eine abweichende Schuppenfarbe am Bauch und wird im Schnitt auch etwas größer als ihre Verwandte auf dem Festland.

Kurzum: Es handelt sich um eine eigene Spezies, die die Bezeichnung Naja peroescobari erhielt. Und diese Spezies ist auf São Tomé endemisch, kommt also nur hier vor. Vom auszurottenden Eindringling ist die Schlange damit ansatzlos in die Gruppe der am meisten schützenswerten Tiere umgestuft worden. (red, 28. 9. 2017)