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Verhüllungsverbot

Einserkastl |
28. September 2017, 17:19

Das Antigesichtsverhüllungsgesetz wird hart für die Polizisten, die das umsetzen müssen

Dieser Tage bei zwei verschiedenen Gelegenheiten vor Luxushotels der Wiener Innenstadt gesehen: arabische Touristinnen in langen, schwarzen Ganzkörperkleidern und Kopftuch. Statt des Gesichtsschleiers aber medizinischen Mundschutz und riesige Sonnenbrillen.

Da hat sich schon was herumgesprochen über das Antigesichtsverhüllungsgesetz, das am 1. Oktober in Kraft tritt. Und das wird hart für die Polizisten, die das umsetzen müssen. Denn typisch österreichische Regulierungswut hat da zugeschlagen: Wer sein Gesicht verbirgt, zahlt 150 Euro. Außer: wenn die Verhüllung "im Rahmen kultureller oder traditioneller Veranstaltungen (...) erfolgt oder gesundheitliche Gründe hat". Das Innenministerium hat dazu extra eine Infografik veröffentlicht: Verboten sind Nikab (nur Augen frei) und Burka (Gitter vor Augen). Erlaubt, aber nur "unter bestimmten Umständen" sind medizinische Mundmaske, Clownsmaske, Perchtenmaske und ("bei Kälte") ein Schal vor dem Mund.

Das ist kein Verhüllungsgesetz, sondern ein Verblödungsgesetz. Asiatische Touristen, die sich vor Grippe fürchten, gehen gern mit Mundschutz. Soll die Polizei sie aufhalten und befragen? Oder den nächsten Clown, ob er gerade aus dem Stephen-King-Schocker Es kommt? Oder einen verkühlten Passanten? Wegen ein paar Touristinnen beschließen die umnachteten Regierungsparteien einen totalitären Schwachsinn, der massiv in die persönliche Sphäre eingreift? Glaubt irgendwer, dass man damit wirkungsvoll den politischen Islam bekämpft? (Hans Rauscher, 28.9.2017)

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