FPÖ-Kandidatin will Opfer von Hackerattacke geworden sein

28. September 2017, 17:39

Nazi-Zitat auf dem Facebook-Profil einer Frau, die für die burgenländische Gemeinderatswahl in Kobersdorf für die FPÖ antritt, sei nicht von ihr

Kobersdorf/Oberpullendorf – Sie wäre wahrlich nicht der erste "Einzelfall", mit dem sich die FPÖ Burgenland vor der Gemeinderatswahl herumschlagen muss. Doch bei ihr soll alles anders sein. Die junge Frau, die in der Gemeinde Kobersdorf (Bezirk Oberpullendorf) versuchen will, wenigstens ein blaues Mandat im Gemeinderat zu erringen, will nämlich gehackt worden sein.

So erklärt jedenfalls FPÖ-Landesparteisekretär Christian Ries auf STANDARD-Nachfrage, warum auf dem Facebookprofil der Frau unter der Rubrik "Lieblingszitat" der nationalsozialistische Slogan "ein Volk ein Reich ein Führer" (sic) steht. "Sie hat glaubhaft versichert, dass sie das nie hingeschrieben hat", sagt Ries. Schon kurz nach dem Telefonat mit dem STANDARD änderte die Neopolitikerin das "Lieblingszitat" zu "Meine Familie die Liebe meines Lebens" (sic).

Auf dem Weg zur Polizei

Die FPÖ-Kandidatin, die laut amtlichem Wahlvorschlag eine 29-jährige Hausfrau ist, wolle sich sofort auf den Weg zur Polizei machen, um den Hackerangriff anzuzeigen, so Ries. Es könnte aber auch jemand gewesen sein, der Zugang zu ihrem Computer hatte: "Sie wissen ja, wie schnell das geht, man meldet sich nicht ab, verlässt kurz seinen Platz, da kann jeder etwas reinschreiben", beschreibt Ries ein für ihn denkbares Szenario.

Jener burgenländische FPÖ-Kandidat in der Gemeinde Draßburg (Bezirk Mattersburg), der zuletzt durch rechtsextreme Postings in mehreren sozialen Netzwerken auffiel – der STANDARD berichtete -, soll sein Mandat nicht antreten, "wenn er überhaupt reingewählt wird", sagt Ries.

"Alles zugegeben"

Wie man nach der Gemeinderatswahl mit dem Mann weiter umgehen wird, soll erst im nächsten Landesparteivorstand besprochen werden. "Ich wäre für seinen Ausschluss, aber ich will da jetzt nicht vorgreifen", betont Ries. Der Mann, der schon mehrmals aus einschlägigen Gründen mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, streite auch nichts ab. "Er hat alles zugegeben", sagt Ries. Der Draßburger Fall war nach FPÖ-Kandidaten in Bruckneudorf-Kaisersteinbruch und St. Andrä am Zicksee der dritte innerhalb weniger Wochen gewesen, der die Blauen im Burgenland durch rechte Umtriebe in die Schlagzeilen brachte. (Colette M. Schmidt, 29.9.2017)