Pflegeskandal: Wiener Heim wusste nichts von laufendem Verfahren

28. September 2017, 17:54

Erste Ergebnisse einer noch laufenden Kontrolle durch Fonds Soziales Wien

Wien/St. Pölten – Eine Überprüfung der Wiener Pflegeeinrichtung, in der zwei ehemalige Pflegekräfte einer Einrichtung in Niederösterreich tätig waren, ergab, dass in diesem nichts von dem seit Oktober 2016 laufenden Verfahren gegen die Verdächtigen bekannt war. Wie der Fonds Soziales Wien (FSW) am Donnerstag der APA mitteilte, haben die zuständigen Leitungen davon erst im Juli erfahren.

Die sei durch einen Zufall geschehen, hieß es in dem Statement des FSW, daraufhin haben die Leitungen in ihrer "Wahrnehmung Kontroll- und Vorsorgemaßnahmen getroffen". Über die am Mittwoch festgenommenen Verdächtigen, die nach einer Einvernahme am Donnerstag wieder enthaftet worden sind, wurde mit sämtlichen Bewohnerinnen und Bewohnern gesprochen, berichtete der FSW über die noch laufende Kontrolle. Resultat: Es wurde von keinerlei negativen Zwischenfällen berichtet, teilweise wurde ausdrücklich ein positiver Eindruck der Betreuung formuliert. Den gleichen Eindruck hätten auch die Gespräche mit den übrigen Mitarbeitern ergeben.

Unabhängig von der aktuellen Debatte findet zur Zeit eine Übernahme des Hauses durch einen neuen Betreiber statt, hieß es weiter. Mit diesem neuen Betreiber wurde vereinbart, dass sämtliche Qualitätsstandards im Haus zu überarbeiten sind, darunter auch der Personalrekrutierungsprozess. Bei der Qualitätskontrolle durch die Auditoren des FSW wurden zudem einige nicht akzeptable Details in der Personalplanung, Diensteinteilung und Pflegedokumentation beanstandet.

"Der neue Eigentümer der Einrichtung hat uns bereits darüber in Kenntnis gesetzt, sich heute von der bis dato personalverantwortlichen Führungskraft getrennt zu haben", schrieb der Fonds. Mit ihm wurde eine rasche Herstellung des vom FSW verlangten Qualitätsniveaus vereinbart. Eine neuerliche Anerkennung der Einrichtung durch den FSW wurde bis zu diesem Zeitpunkt ausgesetzt. Weiters wurde die Wiener Aufsichtsbehörde darüber informiert, die nächste Woche eine Kontrolle der Einrichtung durchführen wird.

Seit 2016 laufen Ermittlungen gegen fünf ehemalige Pflegekräfte der Einrichtung in Niederösterreich. Zwei davon haben nach ihrer Entlassung in Kirchstetten im Oktober 2016 – wieder in Wien als Pfleger für alte, demente und pflegebedürftige Menschen gearbeitet. (APA, 28.9.2017)