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"Ruiner" im Test: Der ultrabrutale, originelle Elternschreck

29. September 2017, 09:36

Der düstere Twin-Stick-Shooter ist stylisch wie gnadenlos – eine knochenharte Herausforderung

Sagen wir es gleich zu Beginn: "Ruiner" (Windows, PS4, Xbox One, 19,99 Euro) ist eines jener Spiele, vor denen besorgte Elternvereine immer gewarnt haben. Wie im entfernt verwandten Elternschreck "Hotline Miami" ist auch hier der einzige Spielinhalt das wiederholte, blutige Ausschalten einer Vielzahl gesichtsloser Gegner auf möglichst effiziente und kreative Art und Weise.

Lässt man die abgestandene Gewaltdebatte beiseite und schickt man voraus, dass selbstverständlich Kinder und Jugendliche von verantwortungsvollen Eltern nur für sie geeigneten Medieninhalten ausgesetzt werden sollten, kann man als Zweites allerdings feststellen: "Ruiner" ist absolut unterhaltsam und ziemlich gelungen.

Dass die sich an den 1980er-Jahren orientierende Ästhetik von Cyberpunk wieder im Kommen ist, hat vor kurzem das ebenfalls von polnischen Entwicklern stammende und empfehlenswerte "Observer" unter Beweis gestellt, bis auf Äußerlichkeiten haben die beiden Spiele allerdings nichts gemeinsam. "Ruiner" ist ein schneller und ziemlich gnadenloser Twin-Stick-Shooter, der besonders durch seine Inszenierung zu gefallen weiß. Als Maskierter durchqueren Spielerinnen und Spieler eine grafisch in vielen Details und vor allem immer wieder mit Lichteffekten beeindruckend gestaltete Großstadtwelt der (mittelnahen) Zukunft.

Trailer zu "Ruiner".
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"Kill the Boss"

Die Handlung, die in kurzen Zwischenbildschirmen sowie Flashbacks im Verlauf der Kampagne erzählt wird, ist dabei allerdings sowohl Cyberpunk-Allerweltsrachestory wie unerheblich und lässt sich plakativ mit "Kill the Boss" zusammenfassen. Die fiktive Hightech-Großstadt Rengkok, in deren versifften Straßenschluchten und Slums die Gefechte stattfinden, dient nur als Kulisse für einerseits geradliniges, andererseits aber mit netten Ideen variiertes Twin-Stick-Shootergameplay, das mit Nahkampf, Schusswaffen, Skills und vor allem dem essentiellen schnellen Ausweichen recht abwechslungsreich ausgefallen ist.

Vor allem die Tatsache, dass sich die per Menü auswählbaren aufrüstbaren Fähigkeiten jederzeit, je nach Situation und ohne Pönale, einfach umkonfigurieren lassen, sorgt für ein spannendes Puzzle-Element im ansonsten ganz auf Reflexe setzenden Action-Feuerwerk: Wenn ein besonders hartnäckiger Widersacher mit dem bislang verwendeten Mix aus Fähigkeiten und Waffen nicht kleinzukriegen ist, hilft höchstwahrscheinlich eine Neuausrichtung, die bequem auch während der Kämpfe erledigt werden kann – das bannt nicht nur die Gefahr, sich zu "verskillen", sondern lädt auch zum Experimentieren ein..

Hart und hübsch

Der Tod, der auch auf dem normalen Schwierigkeitsgrad schnell und oft eintritt, wird dabei nur wenig bestraft; im Unterschied zum erwähnten "Hotline Miami" setzt "Ruiner" weniger auf Planung und kreatives Vorgehen denn auf straighte Reflex- und Geschicklichkeitsprüfung. Twin-Stick-Shooter-Freunde wissen: Wenn sich beim 50. Anlauf der Flow einstellt, werden zuvor unmögliche Aufgaben plötzlich ganz leicht – und die Freude über den Sieg umso größer. Für Einsteiger ins Genre ist "Ruiner" wegen seiner Härte allerdings ebenso wenig zu empfehlen wie für Zartbesaitete: Von den Gegnerwellen, die regelmäßig in einzelnen Arenaräumen auf Spielerinnen und Spieler zurollen, bleiben oftmals nur Blutspritzer übrig.

Die plakative Brutalität passt allerdings konsequent zur dargestellten Spielwelt und Atmosphäre, die durch einen treibenden Technosynth-Soundtrack passend untermalt wird. Bei all der Action bleibt immer noch Zeit, zwischen den Feuergefechten die bei aller Düsternis liebevoll ausgestaltete Cyberpunk-Kulisse zu würdigen.

Fazit

Wer der Ästhetik des Cyberpunk etwas abgewinnen kann, dürfte schon beim Anblick der Screenshots freudige Nervosität verspürt haben, Freunde harter Twin-Stick-Shooter kommen auch spielerisch voll auf ihre Kosten.

"Ruiner" ist ein ästhetisch absolut gelungenes Actionspiel, das seinen Hardcore-Charakter nicht verleugnet und zugleich mit originellen Elementen anreichert. (Rainer Sigl, 29.9.2017)

"Ruiner" ist ab 18 Jahren für Windows-PC, PS4 und Xbox One erschienen. UVP: 19,99 Euro.

Hinweis im Sinne der Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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