"Vom Ehrenamt persönlich zu profitieren ist okay"

Doris Rosenkranz forscht zu freiwilligem Engagement. Sie sagt: "Wenn es auch bei einer Bewerbung honoriert wird, ist das schön"

Jeder zweite engagiert sich in Österreich freiwillig. Jene, die bisher noch nicht freiwillig tätig waren, begründen dies vor allem damit, nicht gefragt oder gebeten worden zu sein. Ausschlaggebend ist offenbar auch Zeitmangel.

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Soziologin Doris Rosenkranz wird bei der Europäischen Freiwilligenmesse referieren.

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STANDARD: Ehrenamt wird als karriereförderlich bezeichnet. Sollte das überhaupt ein Kriterium sein?

Rosenkranz: Mit einem Ehrenamt verschenkt man etwas sehr Kostbares – die eigene Zeit. Und die ist knapp. Warum engagiert man sich also? Zunächst steht die gute Sache im Mittelpunkt. Und ja, ich darf auch selbst etwas davon haben – weil ich Freude dabei empfinde oder neue Kenntnisse erwerbe. Und wenn das auch bei einer Stellenbewerbung honoriert wird, ist das schön. Auch persönlich zu profitieren, ist also ok.

STANDARD: Als Grund für fehlendes Engagement wird oft Zeitmangel genannt. Wie können Unternehmen Mitarbeiter unterstützen und Hochschulen Studierende?

Rosenkranz: Im Rahmen des sogenannten Corporate Volunteering stellen Firmen ihre Mitarbeiter einen Tag oder mehr frei, um sich zu engagieren. Viele Hochschulen bieten zudem "Service Learning" an, koopieren mit Sozialen Organisationen, die direkt in die Hochschulen kommen und dort ein Projekt anbieten. Oft können sich die Studierenden das sogar als Prüfungsleistung anrechnen lassen.

STANDARD: Freiwillige fehlen. Sie haben erforscht, wie Vereine und Verbände reagieren können.

Rosenkranz: Die neue Aufgabe ist, das Engagement aus der Sicht der Engagierten zu denken. Das heißt, Ehrenamt so zu gestalten, dass es z.B. gut mit dem Beruf vereinbar ist. Freiwillige schauen genau, in welchem Rahmen sie sich engagieren und was man ihnen anbietet. Was lernt man? Kann man sich weiterbilden? Da müssen sich Organisationen fit machen, um attraktiv zu bleiben.

STANDARD: Quasi Employer Branding für freiwilliges Engagement?

Rosenkranz: Schon. Und das ist oft schwierig für Organisationen. Sie machen gute Sacharbeit. Jetzt auch noch Personalentwicklung für ihre Ehrenamtlichen zu machen, das kostet Ressourcen und benötigt Know-how. (Lisa Breit, 2.10.017)

Doris Rosenkranz ist Professorin für Soziologie an der Technischen Hochschule Nürnberg. Sie forscht seit Jahren zum Thema Ehrenamt.

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