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"Habe mit Professorin gesprochen": AfD-Politiker erfindet Informatikstudium

29. September 2017, 11:17

Angabe in Lebenslauf des Brandenburger Landesvorsitzenden Andreas Kalbitz erweist sich als falsch

Andreas Kalbitz ist Vorsitzender der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), die vor kurzem erstmals und als drittstärkste Partei in den deutschen Bundestag eingezogen ist. Er war zwölf Jahre als Fallschirmjäger in der Bundeswehr tätig und studierte anschließend ab 2008 Informatik an der FH Brandenburg. Seit 2013 ist er laut seinem Lebenslauf auf der Homepage des Brandenburger Landtags Parteimitglied und außerdem als IT-Consultant selbständig.

Dieser Lebenslauf sorgt nun für Kontroversen. Wie die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet, hat Kalbitz nämlich gar kein Informatikstudium absolviert. Konfrontiert mit den Vorwürfen gibt dieser sich ausweichend.

Zwei Jahre inskribiert, keine Prüfung absolviert

Wann sein vorgegebenes Studium geendet hat, geht aus den Angaben nicht hervor. Doch laut Bericht deckt sich nicht einmal der Studienbeginn mit der Auflistung. Tatsächlich war Kalbitz von 2005 bis 2007 an der FH Brandenburg inskribiert. Da er in dieser Zeit jedoch keine einzige Prüfung abschloss, wurde er schließlich nach dem Sommersemester 2007 exmatrikuliert.

Lebenslauf von Kalbitz auf der Website des Brandenburger Landtags.
foto: landtag brandenburg

Der Politiker selbst will sich nicht mehr an seine genauen Studienzeiten oder Vorlesungen erinnern können. Zitiert wird er mit den Worten: "Ich habe zwar nie wirklich studiert, war aber mal dort und habe auch mit einer Professorin gesprochen." Auch der Name seiner Ansprechpartnerin ist ihm heute nicht mehr erinnerlich.

Ein Problem will er an dieser Situation nicht erkennen. Denn es sei nirgendwo angegeben, dass er das Studium (erfolgreich) beendet habe.

Vergangenheit im Neonazi-Milieu

Kalbitz ist letztes Frühjahr in den Landesvorsitz gewählt worden. 2015 wurde bekannt, dass er einst Artikel für rechtsextreme Publikationen, etwa für die Vereinsschrift der "Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland" verfasst und über den "völkischen Tod" Deutschlands sinniert hatte.

Zudem war er als Leiter eines Kulturvereins tätig, dem mehrere NPD-Funktionäre, ehemalige SS-Funktionäre und Nationalsozialisten angehörten. Er erklärt dazu, dass er an seiner aktuellen Politik und nicht seiner Vergangenheit gemessen werden wolle. (gpi, 29.09.2017)