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Klimawandel soll Beutelwölfe auf australischem Festland ausgelöscht haben

29. September 2017, 18:13

Neue Studie macht Dürre für das Verschwinden der vorletzten Beutelwolf-Populationen verantwortlich – die letzte allerdings geht auf das Konto des Menschen

Adelaide – "Tasmanischer Tiger" ist ein Synonym für den Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) – in diesem alternativen Namen verbirgt sich allerdings bereits ein Stück Aussterbegeschichte. Denn der gestreifte Raubbeutler kam einst auch auf dem australischen Festland vor, die Insel Tasmanien war nur sein letztes Rückzugsgebiet.

Overkill vs. Klimawandel

Auf dem Festland ist der Beutelwolf schon viel früher ausgestorben. Hier stellte sich die alte Frage, ob der Mensch daran schuld war oder ob es an Umweltbedingungen lag. Gemäß der Overkill-Hypothese wurde die Megafauna aller größeren Landmassen durch übermäßige Bejagung zum Großteil ausgerottet. Dafür spricht das zeitliche Zusammenfallen des jeweiligen Artensterbens mit der Einwanderung des Menschen – in Australien fand dies schon einige zehntausend Jahre vor Amerika statt, und hier traf auch der Mensch früher ein.

Die menschlichen Migrationen hingen allerdings auch oft mit Klimaveränderungen zusammen: So stand Nordamerika erst dann für eine Besiedlung von Asien aus offen, als sich das Eis zurückzog. Das darauf folgende Artensterben unter der amerikanischen Megafauna könnte letztlich also auch klimatische Gründe haben.

DNA-Untersuchung

Im Falle des kontinentalen Beutelwolfs soll laut einer neuen Studie im "Journal of Biogeography" tatsächlich eine Klimaveränderung die Ursache gewesen sein – und nicht eingeschleppte Wildhunde oder die Bejagung durch Aborigines. Zu diesem Schluss kamen Forscher der Universität von Adelaide durch die Untersuchung von mitochondrialer DNA aus versteinerten Beutelwolf-Knochen und Museumsexemplaren.

Die Analyse ergab, dass die Beutelwölfe nicht allmählich, sondern schnell ausstarben. Den Wissenschaftern zufolge lebte im Süden Australiens bis vor rund 3.000 Jahren ein großer und genetisch vielfältiger Beutelwolf-Bestand, der sich in eine westliche und eine östliche Population aufgeteilt hatte. Für ihr Ende machen die Forscher eine durch das Klimaphänomen El Nino ausgelöste Trockenheit verantwortlich.

Das endgültige Aus

Das waren freilich nur die vorletzten Beutelwölfe. Dass die Spezies als ganze ausstarb, daran ist belegtermaßen der Mensch schuld. Die letzte Beutelwolf-Population lebte auf Tasmanien, doch gerieten die Tiere in den Ruf, Schafe zu reißen. Im 19. Jahrhundert begann deshalb eine systematische Ausrottungskampagne, die vor 80 Jahren schließlich mit "Erfolg" endete: Der letzte bekannte Beutelwolf starb 1936 im Zoo von Hobart auf seiner Heimatinsel. (red, APA, 29. 9. 2017)