Foto: ORF/ARD/Alexander Kluge

Bullerbü ist nicht mehr: "Tatort"-Premiere aus dem Schwarzwald

30. September 2017, 19:00

Die neuen Kommissare Berg und Tobler sind bodenständig, er hortet Selbstgebranntes im Schreibtisch, sie hat ein normales Privatleben. Harald Schmidt? Fehlt nicht

Da zieht man an den Arsch der Welt, fährt jeden Tag 40 Kilometer zur Arbeit – und dann liegt dein Kind tot im Wald. In einem Satz bringt ein Vater am Sonntag um 20.15 Uhr sein ganzes Elend auf den Punkt. Eben noch haben er, seine Frau und zwei befreundete Nachbarsehepaare im tief verschneiten und titelgebenden Dorf Goldbach herumgealbert, einen Schuss später ist die Bullerbü-Idylle jäh zu Ende, und die elfjährige Frieda lebt nicht mehr.

Kein leichter Auftakt also für die neuen Tatort-Kommissare Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau), zumal ein weiteres Kind fehlt und das Dritte im Bunde nicht weiß, was da draußen im Wald passiert ist.

Berg und Tobler sind die Neuen, die Nachfolger vom Bodensee-Tatort, und man lernt sie als äußert bodenständig kennen. Der Kommissar hortet einen Sebstgebrannten im Schreibtisch, seine Kollegin scheint ein funktionierendes Privatleben zu haben – das ist ganz schön viel Normalität für Tatort-Kommissare.

Eher dysfunktional entwickelt sich hingegen die dörfliche Gemeinschaft. Man misstraut einander, und immer erdrückender drängen sich Fragen ins abgelegene Dorf: Warum ist mein Kind tot und deines lebt? Warum suchen wir einen Sarg aus, während euer Paul zur Schule geht?

Es sind Szenen, die unter die Haut gehen, da verzeiht man auch das Klischee vom Waffenhändler, der mit der Politik verbandelt ist, sowie das oft unstimmige "Wetterchaos".

Irgendwann fragt man sich, ob eigentlich Harald Schmidt fehlt, der den Polizeichef spielen hätte sollen, aber kurzfristig absagte. Nein, er fehlt nicht. Es passt auch so, im Schwarzwald herrscht solides Mittelmaß. (Birgit Baumann, 30.9.2017)