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Durch die Bank die richtige Geldquelle

1. Oktober 2017, 10:00

Die Kreditklemme ist vorbei. Manche Unternehmen sitzen aufgrund strengerer Regulatorien dennoch auf dem Trockenen

Wien – Flugzeugteile aus dem Drucker, Maschinenproduktion nach Maß, der Austausch von Daten zwischen Produzenten und Kunden: Die Digitalisierung macht vieles möglich. Experten gehen davon aus, dass sich die Unternehmenslandschaft in den nächsten Jahren so stark verändern wird wie seit 50 Jahren nicht. Unternehmen stehen damit aber auch kräftig unter Druck. Neben dem Tagesgeschäft heißt es, über die Firmengrenzen zu blicken, sich mit Kunden und Lieferanten zu vernetzen, neue Geschäftsfelder zu entwickeln. "Die Herausforderung ist die Geschwindigkeit, in der sich der Wandel vollzieht", sagt KMU-Forscher Peter Voithofer.

Was sich auch in Zeiten des rasanten Wandels nicht ändere: "Es geht um die immerwährende Herausforderung, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen." Ohne Innovation kein Überleben. Den Klein- und Mittelbetrieben (KMUs) ist dies bewusst, wie eine Imas-Umfrage unter 900 heimischen KMUs mit einem Jahresumsatz zwischen zwei und 50 Millionen Euro im Auftrag der Erste Bank zeigt. Einerseits geben drei Viertel an, dass das Marktumfeld schwieriger geworden ist. Andererseits befördert der Druck die Innovations- und Investitionsbereitschaft. Ein Viertel plant, eine Finanzierung aufzunehmen.

foto: erste bank/der standard

Beim Anzapfen von Geldquellen bleiben die Unternehmer aber am liebsten beim traditionellen, Bankkredit (siehe Grafik). Das wird sich auch nicht ändern, sagt Voithofer: "Die Bankfinanzierung wird nachhaltig die kapitale Säule bleiben." Was nicht heißt, dass in Finanzierungsfragen seit der Krise alles beim Alten geblieben sei. Ganz im Gegenteil. Die Eigenkapitalquote sei über die Jahre kontinuierlich auf durchschnittlich 30 Prozent gestiegen. Selbst die traditionell dünn ausgestatteten Tourismusbetriebe stehen mittlerweile mit 15 Prozent solider da. "Vor zehn Jahren hat man davon nur geträumt", sagt Voithofer. Vice versa ist der Anteil der Bankfinanzierungen gesunken – auf rund 28 Prozent. Die Finanzierungsstrukturen sind laut Voithofer ausgewogener. "Sie stehen auf mehreren Säulen – Betonung liegt auf Säulen, nicht auf Strohhalmen. Die Bonität ist besser geworden, die Stabilität auch."

17 Prozent konnten Innovationsvorhaben nicht umsetzen

Für Geldgeber reicht das dennoch nicht immer. 17 Prozent der von Imas Befragten geben an, dass sie Innovationsvorhaben nicht umsetzen konnten, weil sie keine Finanzierung bekamen. Vor allem Betriebe mit einem Umsatz von zwei bis fünf Millionen Euro (20 Prozent) sind davon eher betroffen als umsatzstärkere (fünf bis 50 Millionen Umsatz: 14 Prozent). Laut Austria Wirtschaftsservice mangelt es allerdings nicht an Liquidität, sondern oft an den Sicherheiten, die Banken aufgrund strengerer Regulatorien verlangen. In sieben von zehn Fällen wird deswegen ein Kreditwunsch abgelehnt oder gekürzt.

Nicht alle Vorhaben müssen deswegen gleich begraben werden. Vorab gelte es präzise die Investitionsanlässe zu klären, rät Voithofer. Innovative Projekte wird man also eher mit Risikokapital finanzieren, eine Infrastruktur-Erneuerung eher mit dem Bankkredit. Oft hilft auch "Dr. Google." Denn obwohl viele mit geförderten Krediten liebäugeln, kennt sich nur die Hälfte mit Begünstigungen von Investitionen durch Bund, Länder oder die EU aus. Die Seite www.foerderpilot.at wartet etwa mit einer Übersicht über Forschungs- und Wirtschaftsförderungen auf. Garantien und Haftungen übernimmt auch die Förderbank AWS.

Die Crowd hilft

Kapitallücken lassen sich aber auch mit Schwarmhilfe füllen. Auf verschiedenen Plattformen lässt sich aus der Not eine Tugend machen: Die Bank gibt das Geld billig. Dafür braucht es mehr Sicherheiten. Via Crowd könnten Firmen ihr Eigenkapital stärken, damit sie sich hinterher leichter bei Banken finanzieren können. "Die Systeme sind mittlerweile sehr ausdifferenziert. Es lebe die Vielfalt", sagt KMU-Forscher Voithofer. Auch Eigenkapital-Instrumente wie Mezzaninkapital und Beteiligungs- und Risikokapital stehen zur Verfügung – in traditionell bescheidenem Ausmaß.

Bei Letzterem ortet die Wirtschaftskammer Verbesserungspotenzial, sagt Finanzexperte Ralf Kronberger. Zwar sei die Kreditklemme überwunden, aber die Bedingungen für KMUs seien schwieriger geworden. Den größten Hebel sieht er in der Risikokapitalprämie, die in steuerliche Förderung umgewandelt werden solle, mit einem Beteiligungsfreibetrag von mindestens 100.000 Euro. Den Finanzminister hat man aber noch nicht überzeugt. (Regina Bruckner, 1.10.2017)