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Die vielen Stationen der Handball-Torfrau Blazek

30. September 2017, 09:52

Deutschland, Österreich, Frankreich, Ungarn, Norwegen, Rumänien – Petra Blazek hat in sieben Jahren bei sechs Klubs in sechs Ländern gespielt

Maria Enzersdorf – "Du musst im Leben Sachen ausprobieren", sagt Petra Blazek. "Zurück kannst du immer." Blazek, 30 Jahre alt, Torfrau des österreichischen Handball-Nationalteams, hat in ihrer Karriere viel ausprobiert. Die Liste der Klubs, bei denen sie beschäftigt war, liest sich ungewöhnlich. In den vergangenen sieben Jahren spielte sie bei sechs verschiedenen Klubs, in sechs verschiedenen Ländern.

Auf ein Jahr beim Thüringer HC in Deutschland folgten zwei Jahre bei Hypo Niederösterreich. Ab 2013 wurden die Stationen ungewöhnlicher: Ein Jahr lang stand sie im Tor von Mios Biganos-Begles (Frankreich), es folgte ein Jahr bei MTK Budapest in Ungarn, danach ein Jahr bei Molde HK in Norwegen, und seit dem Vorjahr ist sie beim rumänischen Klub HCM Ramnicu Valcea tätig.

Blazek wagte das Risiko Rumänien

Von dem Wechsel nach Rumänien haben ihr viele abgeraten. Man erzählt sich, dass Gehaltsauszahlungen schon einmal ausbleiben können. Blazek: "Ich wollte trotzdem das Risiko eingehen, ich wollte noch einmal etwas Neues ausprobieren." Das Gehalt hat sie bisher immer erhalten – wenn auch nicht immer pünktlich. In Rumänien seien Vereine häufig von einem Sponsor abhängig. Bei Blazeks Klub ist das auch so. Sie fühlt sich aber wohl bei ihrem Verein und in der Stadt.

Petra Blazek wurde als 16-Jährige erstmals ins Nationalteam einberufen. Mittlerweile hat sie es auf 176 Teameinsätze gebracht.
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Ramnicu Valcea zählt knapp 100.000 Einwohner, liegt 180 Kilometer von Bukarest entfernt. "Ich habe keine Probleme, die Wohnung ist perfekt, in der Stadt ist alles ziemlich neu." Nach Rumänien gewechselt ist sie ohnehin nur aus sportlichen Gründen. Das Land ist wer im Frauenhandball. Das bekamen Blazek und ihre Nationalteamkolleginnen nicht zuletzt am Mittwoch zu spüren, als man sich zum Auftakt der EM-Qualifikation mit 25:36 geschlagen geben musste.

"Frauenhandball ist in Rumänien Sportart Nummer eins", sagt Österreichs Teamchef Herbert Müller – ein Deutscher mit rumänischen Wurzeln. "Die Leute erkennen einen auf der Straße", sagt Blazek. Von sieben Liga-Spielen pro Runde würden vier oder fünf live im Fernsehen übertragen.

Underdog gegen Olympiasieger Russland

Im Moment ist Blazek in Österreich. Am Samstag steht das zweite EM-Quali-Spiel an. In der Südstadt geht es gegen Olympiasieger Russland. Müller: "Da kommt ein Riesenbrocken auf uns zu." Blazek: "Vielleicht können wir überraschen." Die Quali wird eher nicht drin sein. Österreichs Team befindet sich im Umbruch. Die langjährige Kapitänin Katrin Engel (33) hat ihren Rücktritt erklärt und wird am Samstag verabschiedet. Blazek folgte ihr als Kapitänin.

Blazek ist der Rückhalt des Nationalteams.
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Im Alter von sieben Jahren begann die Niederösterreicherin mit dem Handball. Als Neunjährige hütete sie erstmals das Tor, "weil niemand ins Tor wollte. Und ich hatte keine Angst." Schon beim Fußballspielen mit ihren Brüdern gab sie die Torfrau. Ihr Talent für diese Position wurde früh offensichtlich. Im Alter von 15 Jahren intensivierte sie das Training bei Hypo Niederösterreich. Mit 16 wurde sie erstmals ins Nationalteam einberufen. "Ich habe früh Spielzeit bekommen." Auf 176 Teameinsätze, drei EM- und drei WM-Teilnahmen hat sie es mittlerweile gebracht.

Und auf viele Umzüge. Was nach Rumänien kommt, weiß sie noch nicht. Eine Ungewissheit, mit der sie leben kann. (Birgit Riezinger, 29.9.2017)