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Der Fluch des Tal Silberstein

Kommentar |
30. September 2017, 18:07

Was in diesem SPÖ-Wahlkampf schiefgehen konnte, ging schief. Der Rücktritt Niedermühlbichlers ist ein weiterer Höhepunkt der roten Pannenserie

Tal Silberstein, der ehemalige Berater der SPÖ, ist längst aus dem Verkehr gezogen. Er wurde in Israel wegen diverser Korruptionsvorwürfe festgenommen, die SPÖ hatte sich daraufhin von ihm getrennt. Sein Engagement im SPÖ-Wahlkampf war von Anfang an umstritten, die Vorwürfe wegen unsauberer Geschäfte waren bekannt.

Dennoch ließ sich SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler Silberstein, der als Vertrauter von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer gilt und die SPÖ schon mehrfach beraten hatte, als Strategen für den Wahlkampf ins Team drücken. Was erst einmal dazu führte, dass Stefan Sengl, der Kampagnenleiter der SPÖ, kurzerhand alles hinwarf und aus dem Job ausschied.

Das, was Silberstein als Dirty-Campaigning-Kampagne ins Leben gerufen hatte, ging offenbar auch nach dessen Trennung von der SPÖ weiter. Mit Wissen einiger Mitarbeiter, aber ohne offiziellen Auftrag. Gefakte Facebook-Accounts sollten ein schlechtes Licht auf ÖVP-Chef Sebastian Kurz werfen und gleich auch die FPÖ als möglichen Initiator diskreditieren.

An einen SPÖ-Wahlsieg glaubt niemand mehr

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch das auffliegen sollte. Zwei Wochen vor der Wahl tritt nun Niedermühlbichler, der Bundesgeschäftsführer der Partei und deren Wahlkampfmanager, zurück. Was in diesem Wahlkampf schiefgehen konnte, ging schief. Der Rücktritt Niedermühlbichlers markiert einen neuen Höhepunkt in der Pannenserie von Kanzler und Spitzenkandidat Christian Kern – und mindert dessen Chancen, bei der Wahl respektabel abschneiden zu können, deutlich. An einen Sieg glaubt nicht einmal mehr jemand in der SPÖ.

Niedermühlbichler hat die Verantwortung übernommen, auch wenn ihn persönlich keine Schuld treffen mag. Ausbaden muss das SPÖ-Chef Kern, der offenbar auf die falschen Leute gehört hat und mit einem Team gearbeitet hat, das für einen sauberen Wahlkampf nicht geeignet ist. So trägt Kern selbst die Letztverantwortung. (Michael Völker, 30.9.2017)