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Trump nennt Nordkorea-Verhandlungen "Zeitverschwendung"

1. Oktober 2017, 22:10

US-Präsident: "Spar dir deine Energie, Rex, wir werden tun, was getan werden muss"

Peking/Washington – US-Präsident Donald Trump hat die Bemühungen seines Außenministers Rex Tillerson um eine diplomatische Lösung des Nordkorea-Konflikts als sinnlos bezeichnet. "Ich habe Rex Tillerson, unserem wunderbaren Außenminister, gesagt, dass er seine Zeit mit dem Versuch verschwendet, mit dem kleinen Raketenmann zu verhandeln", schrieb Trump am Sonntag auf Twitter.

Mit "Raketenmann" meint Trump Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un, den er in Anspielung auf dessen Raketenprogramm bereits mehrfach so genannt hat.

Wenig später legte Trump nach: "Zum Raketenmann nett zu sein hat seit 25 Jahren nicht geklappt. Warum sollte es jetzt funktionieren?" Seine Vorgänger Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama seien alle gescheitert. "Ich werde nicht scheitern." (Anm. d. Red.: Kim Jong-un befindet sich seit 2011 im Amt.)

Tillerson hatte am Samstag in Peking erklärt, die USA loteten die Bereitschaft der nordkoreanischen Führung zu direkten Gesprächen aus. Das US-Außenministerium erklärte später, es gebe keine Anzeichen, dass Nordkorea dazu bereit sei. Trump fügte kurz nach seinem ersten Tweet hinzu: "Spar dir deine Energie, Rex, wir werden tun, was getan werden muss."

Trump ließ offen, welche Maßnahmen das sein könnten. In den vergangenen Wochen drohte er Nordkorea wiederholt mit einem Militärschlag. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen sprach er von der "totalen Vernichtung" des Landes, falls es die USA oder einen ihrer Verbündeten angreifen sollte.

Tillerson sucht Kontakt

Tillerson sagte in China, es gebe "zwei, drei Kanäle nach Pjöngjang", die offen seien. "Wir fragen: Wollt ihr reden?" Vertreter Nordkoreas hätten aber nicht erkennen lassen, dass sie an "Gesprächen bezüglich einer Denuklearisierung" interessiert oder dazu bereit seien, erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums. Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel hatte das Angebot Tillersons trotzdem als Schritt in die richtige Richtung begrüßt. "Nordkorea ist gut beraten, dieses Gesprächsangebot jetzt ernst zu nehmen."

Nordkoreas Führung hatte die Weltgemeinschaft mit neuen Atombomben- und mehreren Raketentests aufgeschreckt. Das Land arbeitet an atomwaffenfähigen Raketen, mit denen das US-Festland erreicht werden kann.

Trump reist nach Asien

Das verbale Säbelrasseln und der öffentliche Austausch von Beleidigungen zwischen Trump und Kim haben nicht zuletzt China alarmiert. Die UN-Vetomacht ist traditionell mit Nordkorea verbündet und steht für rund 90 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels. Trump hat China wiederholt aufgefordert, seinen Einfluss stärker geltend zu machen. Anfang November will er selbst nach Asien reisen, darunter China, Japan und Südkorea.

Neben China forderten auch Deutschland und Frankreich wiederholt eine friedliche Lösung des Konflikts. Gabriel zog eine Verbindung vom Gesprächsangebot Tillersons an Nordkorea zur Iran-Politik der USA. Trump hatte das internationale Atomabkommen mit der Islamischen Republik als schlechten Vertrag kritisiert und den Ausstieg daraus angekündigt.

"Eine Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA würde die Glaubwürdigkeit des Angebots an Nordkorea unterminieren", warnte Gabriel. Anders als die USA wollen die anderen Unterzeichnerstaaten des Vertrags mit dem Iran – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China – an der Vereinbarung festhalten. (red, Reuters, 1.10.2017)