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Künstliche Befruchtung soll Nördliches Breitmaulnashorn retten

2. Oktober 2017, 10:43

Die letzten Exemplare der Unterart sind nicht fortpflanzungsfähig. Forscher wollen den Bestand mittels In-vitro-Fertilisation und Leihmutterschaft retten

Berlin – Das Nördliche Breitmaulnashorn gilt als seltenstes Großsäugetier der Welt. Heute gibt es nur noch zwei Weibchen und ein Männchen, die sich auf natürlichem Wege nicht mehr fortpflanzen können. Wissenschafter arbeiten an Methoden, um diese Unterart des Breitmaulnashorns vor dem Aussterben zu bewahren.

Noch in diesem Jahr wollen unter anderem Berliner Experten nach Kenia reisen und erste Schritte einleiten, um mit künstlicher Reproduktion den Fortbestand zu sichern. Das kündigte das Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) an.

Südliche Leihmutter

Ziel der Kenia-Reise sei es, den beiden unfruchtbaren Nashorndamen Najin und Fatu in einem eigens entwickelten Verfahren Eizellen zu entnehmen. Diese sollen mit schon vor längerer Zeit gewonnenen, eingelagerten Spermien befruchtet werden. Eine Leihmutter könnte dann die Embryonen austragen – eignen würden sich dafür Weibchen des Südlichen Breitmaulnashorns.

Um die Bestände dieser Unterart des Südlichen Breitmaulnashorns steht es weitaus besser. Das einzig verbliebene Männchen des Nördlichen Breitmaulnashorns namens Sudan hingegen ist schon älter und verfügt nicht mehr über ausreichend Spermien, außerdem ist er mit den Weibchen verwandt.

Zukunftshoffnung Stammzelltechnik

Daneben erscheint Wissenschaftern eine weitere Option vielversprechend, um eines Tages aussterbende Arten zu retten: modernste Stammzelltechnik nach dem Vorbild des japanischen Forschers Katsuhiko Hayashi (Kyushu Universität). Ihm gelang es bereits, aus einfachen Hautzellen Mäuse zu züchten, die fruchtbar waren.

Übertragen auf Nashörner hieße das: Die Wissenschafter könnten sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen, gewonnen etwa aus Haut der Nashörner, zu Spermien und Eizellen ausreifen lassen. Auch hier würde zum Austragen des Embryos eine Nashorn-Leihmutter benötigt. So ein Verfahren wäre aber sehr aufwendig und kostspielig.

Um die Weiterentwicklung der Methoden zu fördern und auf den Bedrohungsstatus dieser Nashörner aufmerksam zu machen, wird am Donnerstag in Berlin unter anderem ein Gemälde einer der letzten Nashorn-Damen versteigert. Das IZW, der Zoo Berlin und der tschechische Zoo Dvur Kralove organisieren die Auktion gemeinsam. (APA, 2.10.2017)