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Innviertler Metallbauer Fill insolvent

2. Oktober 2017, 12:20

Das Großbritannien-Engagement wurde zum Verhängnis, 238 Mitarbeiter sind von der Großpleite betroffen. Nun soll umstrukturiert werden

Hohenzell – Das oö. Metallbau-Unternehmen Fill mit Sitz in Hohenzell ist insolvent. Am Montag wurde beim Landesgericht Ried im Innkreis ein Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung eingebracht. 238 Mitarbeiter sind betroffen, eine Neustrukturierung des Unternehmens wird demnach angestrebt. Offenbar haben Probleme im Großbritannien-Geschäft zum Liquiditätsengpass geführt.

Angaben zu den Schulden lagen vorerst nicht vor, es soll sich aber bei den Passiva um einen einstelligen Millionenbetrag handeln. Die Zahl der Gläubiger dürfte laut KSV bei rund 1.000 liegen. Die Gläubigerschützer teilten am Montag auf APA-Anfrage mit, dass man seit geraumer Zeit von einer "starken Krise" in dem Unternehmen wisse und es sich um die zweitgrößte Insolvenz heuer in OÖ nach Wozabal handle. Laut Fill sei aber geplant, einen "erheblichen Teil" der derzeit 238 Mitarbeiter, darunter 20 Lehrlinge, auch weiterhin zu beschäftigen.

Giftiger Mix in Großbritannien

Fill Metallbau baut und montiert Gebäudehüllen und Sonderkonstruktionen in ganz Europa. In den vergangenen zwei Jahren habe man vor allem in Großbritannien starkes Wachstum bei den Aufträgen verzeichnet, hieß es in einer Aussendung der Firma am Montag. Zahlreiche Großprojekte seien dort realisiert worden, zuletzt habe das Großbritannien-Geschäft mehr als zwei Drittel des Gesamtumsatzes ausgemacht.

Als Ursachen für die Insolvenz nennt das Unternehmen einerseits, dass man sich durch die starke Auftragslage in Großbritannien teilweise der Leistungen von Fremdfirmen bedient habe, die aber nicht dem Qualitätsstandard des Unternehmens entsprochen hätten. Zudem sei man mit "nicht nachvollziehbaren Gegenforderungen bzw. ungerechtfertigt behaupteten Mängeln seitens einiger Auftraggeber" konfrontiert gewesen. Darüber hinaus habe sich das Brexit-Votum negativ auf die Marktlage ausgewirkt. Das alles habe zu einem Liquiditätsengpass geführt.

Hohenzell betroffen

Die Auftragslage sei grundsätzlich gut. Elf Aufträge würden vor der Fertigstellung stehen, weitere mit einem Gesamtvolumen von ca. 20 Mio. Euro würden vorliegen. Fill Metallbau strebe daher im Sanierungsverfahren eine Neustrukturierung an, erste Schritte dazu seien bereits eingeleitet worden, hieß es. So will man künftig die Präsenz in Deutschland weiter verstärken.

Gegenstand des Sanierungsverfahrens sei ausschließlich die Fill Metallbau GmbH in Hohenzell, wurde betont. Weitere Gesellschaften oder Beteiligungen der Gruppe – wie Fill Metallbau Schärding, Fill Metallbau Wien, Fill Ried, Pfeiffer Metallbau in Wels oder Fill Metallbau UK seien davon nicht betroffen. (APA, 2.10.2017)