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Wiener Startup ermöglicht Suche nach Band-Proberäumen

2. Oktober 2017, 13:13

Unternehmen von Aleksey Igudesman und Julia Rhee mit Wirtschaftsförderung der Stadt Wien und prominenten Unterstützern

Die webbasierte Vermittlung von passenden Proberäumen hat sich ein Wiener Start-up Unternehmen zur Aufgabe gemacht, das heute, Montag, in Wien offiziell gelauncht wurde. Die "Music Traveler"-Plattform verbindet Hosts und Musiker miteinander.

250.000 Musiker in Wien

Die Idee dazu hatten der Wiener Komponist und Violonist Aleksey Igudesman und die in Wien ausgebildete, in New York lebende Pianistin Julia Rhee vor zwei Jahren. Die beiden stießen auf einen großen Markt. Allein in Wien gäbe es einen jährlichen Bedarf an 700.000 Übungsstunden jährlich, wurde heute bei einer Pressekonferenz im Wiener Konzerthaus vorgerechnet. 400.000 Haushalte in Wien verfügten über mindestens ein Instrument, 250.000 Musiker gäbe es in Wien.

John Malkovich ist neben Billy Joel, Ex-Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg, Filmkomponist Hans Zimmer oder Pianist Emmanuel Ax mit im Board von Music Traveler. "Es gibt einen großer Bedarf nach ein bisschen Privatheit und einem Instrument", um sich auf Reisen entweder auf Auftritte vorzubereiten oder an Projekten weiterzuarbeiten", versicherte der vielseitige US-Filmschauspieler. Er erinnerte sich an ein schreckliches Erlebnis auf einem Filmfestival in Portugal, bei dem ein klebriges, verstimmtes, altes Klavier in der Mitte einer Hotel-Lobby das einzige Instrument gewesen sei, auf dem ein herausforderndes Stück von Alfred Schnittke geprobt werden konnte.

Mit einer leicht zu bedienenden "search-book-play"-App sollen Proberäume für eine oder mehrere Stunden mit nur wenigen Klicks gebucht werden. Das Angebot, bei dem die Klavierfirma Steinway Austria als Partner fungiert, richte sich aber nicht nur an Profi-Musiker, auch an Amateure. Sein Lieblings-Feedback stamme von einer alten Dame, die durch Music Traveler das erste Mal in ihrem Leben auf einem Steinway spielen konnte, sagte Igudesman: "Ich schwebte im siebenten Himmel", habe sie danach geschrieben. Fein für alle Beteiligten: Auch eine Versicherung ist inkludiert.

Förderungen

Dank einer Wirtschaftsförderung der Stadt Wien habe man die Idee auch umsetzen und etwa 2016 in Austin, Texas, präsentieren können, freute sich Igudesman. "Das zeigt, dass die Stadt Wien Musik wirklich unterstützt. Wir wollen sobald wie möglich expandieren, wollen aber auch, dass die Leute wissen: Music Traveler hat in Wien angefangen."

Tanja Wehsely, Vorsitzende des Finanz- und Wirtschaftsausschusses der Stadt Wien (SPÖ), zeigte sich stolz auf das Start-up, dessen Potenzial von der Wiener Wirtschaftsagentur erkannt worden sei. Es sei "eigentlich ein einfaches Modell", das aber professionell umgesetzt werde. Auch für die Teilnahme an einem "Expansions-Coaching" gebe es bereits eine Zusage.

Auch Konzerthaus-Chef Matthias Naske fand Music Traveler eine Initiative, die "wirklich Sinn macht", weswegen sich auch das Konzerthaus beteilige. Kleiner Wermutstropfen, schmunzelnd verabreicht: "Das Publikum kann man nicht mitbuchen." (APA, 2.10.2017)