Hochdotierter Jacobs-Preis für Forschung zu Moralentwicklung

2. Oktober 2017, 13:24

US-Psychologe Paul Bloom für seine Arbeit zu sozialen und moralischen Fähigkeiten von Babys ausgezeichnet

Zürich – Der kanadisch-US-amerikanische Psychologe Paul Bloom erhält den mit rund 873.000 Euro dotierten Klaus J. Jacobs Research Prize 2017. Er erforscht, wie sich das Verständnis von Gut und Böse bei Kindern entwickelt. Ebenfalls ausgezeichnet wird eine Organisation in den Niederlanden, die das Leben von Kindern in Kriegsregionen verbessert.

Paul Bloom, Professor für Psychologie und Kognitionswissenschaft an der Yale Univesität in den USA, hat die sozialen und moralischen Fähigkeiten von Babys erforscht und festgestellt, dass diese bereits in der Lage sind, eine Handlung als richtig oder falsch zu beurteilten, wenn sie beobachten, wie einem anderen geholfen oder geschadet wird, wie die Zürcher Jacobs Foundation in einer Mitteilung schreibt.

Kulturelle Errungenschaft

Diese Entscheidung basiere demnach auf einem Bauchgefühl, da Babys noch keine bewussten Moralvorstellungen haben. Erwachsene fällten moralische Entscheidungen hingegen nicht aufgrund eines Bauchgefühls oder eines unbewussten Vorurteils, sondern nach reiflicher Überlegung.

Voll entwickelte Moralvorstellungen sind für Bloom eine kulturelle und keine biologischen Errungenschaft. "Durch unsere Vorstellungskraft, unser Mitgefühl und unsere Fähigkeit zu rationalem Denken überwinden wir das primitive Moralgefühl, mit dem wir geboren wurden, und werden zu mehr als Babys", sagte der Forscher.

Preis für NGO War Child

Für ihre Bemühungen, das Leben von Kindern in Kriegsregionen weltweit zu verbessern, erhält die Organisation War Child mit Sitz in den Niederlanden den mit 175.000 Euro dotierten Klaus J. Jacobs Best Practice Preis. Damit wird das Engagement von Institutionen oder Persönlichkeiten ausgezeichnet, die innovative Lösungen für die Kinder- und Jugendentwicklung praktisch umsetzen.

Zurzeit ist War Child in 15 Ländern tätig und arbeitet mit knapp 400.000 Kindern. Diese lernen unter anderem in kreativen Gruppensitzungen, ihre Gefühle auszudrücken, schwierige Situationen zu kommunizieren und anzugehen sowie Beziehungen zu Gleichaltrigen, Familienmitgliedern und anderen Erwachsenen aufzubauen, wie es in der Mitteilung heißt.

Die Jacobs Foundation vergibt zur Ehren ihres Gründers seit 2009 jedes Jahr zwei mit 1,2 Millionen Franken dotierte Preise für herausragende Leistungen aus Forschung und Praxis in der Kinder- und Jugendentwicklung. Die diesjährige Preisverleihung findet am 1. Dezember an der Universität Zürich statt. (APA, 2.10.2017)