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Staat bremst Jobwachstum und Investitionen

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2. Oktober 2017, 15:24

Die Voest investiert zwar in Österreich, doch eher trotz und nicht wegen der Rahmenbedingungen

Die Voestalpine hat mit ihrer Entscheidung, ein neues Edelstahlwerk in Kapfenberg zu errichten, nicht nur bei Mitarbeitern für Aufatmen gesorgt. Sie und auch die Regionalpolitik wissen, dass in der Linzer Konzernzentrale nicht nur aus taktischen Gründen Alternativstandorte im Ausland durchgerechnet worden sind.

Fast gleichzeitig kam dieser Tage die Nachricht, dass sich Österreich beim Wettbewerbsranking des Weltwirtschaftsforums um einen Platz auf Rang 18 verbessert hat. Auch wenn derartige Rankings teilweise auf Umfragen unter Managern basieren und daher wissenschaftlich angreifbar sind: Relevanz kann ihnen nicht abgesprochen werden. Es sind ja letztlich Unternehmensleiter, die Investitionsentscheidungen treffen.

Ziemlich große Defizite

Trotz leichter Verbesserung zeigen wichtige Detailergebnisse, dass der Standort vielleicht nicht abgesandelt ist, aber ziemlich viel Sand im Getriebe steckt. Bei der Zeit etwa, die für Betriebsanmeldungen benötigt werden, liegt Österreich auf Platz 99 von 137 Staaten. Für die steuerlichen Anreize für Investitionen vergibt das WEF Platz 120, für die bei Beschäftigung Rang 130. Insgesamt werden Steuerhöhe, Bürokratie und restriktive Arbeitsmarktregulierung als die drei größten Hürden für Geschäftstätigkeit in Österreich bezeichnet.

Kapfenberg wird Edelstahlzentrum bleiben – wegen der Motivation und Qualität der Mitarbeiter. Die Entscheidung kam aber nicht wegen, sondern trotz der steuerlichen und bürokratischen Rahmenbedingungen zustande. Würde auch noch eine jahrelange Umweltverträglichkeitsprüfung anfallen – Stichwort: dritte Piste – würde möglicherweise anderswo investiert. Vorsorglich haben die Linzer durchgesetzt, dass das langwierige Verfahren in Kapfenberg nicht erforderlich ist, weil das Werk am bestehenden Industriegelände errichtet wird. (Andreas Schnauder, 2.10.2017)