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"NSA-Villa" in Wien-Währing geschlossen

2. Oktober 2017, 16:03

Gebäude soll als Horchposten des US-Geheimdiensts gedient haben – US-Botschaft sprach immer nur von "Open Source Center"

Die US-Botschaft hat die sagenumwobene "NSA-Villa" in Wien-Währing offensichtlich geschlossen. Der Buchautor Florian Horcicka ("Im Fadenkreuz der Spione. Wie Agenten Österreich unterwandern") berichtet am Montag auf Facebook, dass "Wachhäuschen, Sicherheitspersonal und Polizei" abgebaut wurden und aus dem "Postkasten Werbematerial" quillt. Die US-Vertretung hatte den Schritt bereits im Februar angekündigt.

Horchposten des US-Geheimdiensts

Im Zuge der Enthüllungen von Edward Snowden sorgte die Immobilie immer wieder für Schlagzeilen: Sie soll nämlich als Horchposten der NSA gedient haben, die von dort aus 70 Prozent der Wiener Telekommunikation abhören könne. Die US-Botschaft hat derartige Berichte immer zurückgewiesen. In dem Gebäude seien lediglich öffentlich zugängliche Informationen aus aller Welt gesammelt, übersetzt und ausgewertet worden, wurde versichert. Dieses "Open Source Center" übersiedelte nun nach London.

Der Facebook-Eintrag von Florian Horcicka.

Die Villa ist bereits seit 1971 im Besitz der US-Botschaft.

Lauschstation Königswarte

Neben der NSA-Villa gilt auch die Lauschstation Königswarte als Vorposten der USA in Österreich. Während des Kalten Krieges horchte man hier den Telefon- und Funkverkehr im Ostblock und auf dem Balkan ab. Das Hauptaugenmerk wurde auf die Einsatzfähigkeit der östlichen Radarstationen gelegt – für die USA im Fall eines bewaffneten Konflikts eine fundamental wichtige Information. Für Österreich waren die gewonnen Erkenntnisse nur von beschränktem Wert, da das Bundesheer den verschlüsselten Funk nicht selbst knacken konnte. So wurden die Aufnahmen regelmäßig an ausländische Geheimdienste wie die NSA weitergereicht.

Die Königswarte des Bundesheers.
foto: sum

"Betreut" wird die Königswarte vom Heeresnachrichtenamt (HNaA), dem Auslandsgeheimdienst des Bundesheers, der seit Jahrzehnten mit der NSA zusammenarbeitet. Mittlerweile wurde die Königswarte für neue Aufgaben fit gemacht. Ihre Überwachungsanlagen nehmen nun Kommunikationssatelliten ins Visier. Die notwendige technische Ausrüstung dafür soll von den Amerikanern zur Verfügung gestellt worden sein. Entsprechende Nachfragen will das Bundesheer nicht beantworten.

Die Aktivitäten der NSA in Österreich beschäftigen seit 2013 die Justiz. Bisher haben sie zu keinerlei Reaktionen geführt. (sum, 2.10.2017)