Frühe Erfahrungen prägen das Sozialverhalten – von Buntbarschen

3. Oktober 2017, 08:30

Langzeitexperiment mit mehr als 400 Buntbarschen bringt erstaunliche soziale Entwicklung ans Licht

Bern – Manche Buntbarsche ziehen aus, um ein neues Territorium zu übernehmen. Andere bleiben in ihrer ursprünglichen Umgebung, um in ihrer Gruppe bei der Brutpflege zu helfen. Wie sich das Sozialverhalten der Fische entwickelt, hängt dabei stark von ihren frühen sozialen und ökologischen Erfahrungen ab, berichten Forscher der Uni Bern im Fachblatt "PNAS".

Für ihre Studie führten Stefan Fischer und Barbara Taborsky Langzeitexperimente mit Buntbarschen der Art Neolamprologus pulcher durch, die auch als "Prinzessin vom Tanganjikasee" bezeichnet wird. Diese Art lebt in Gruppen von bis zu 25 Tieren, die ihre Jungtiere gemeinsam aufziehen.

Drei Jahre unter Beobachtung

Die Forscher zogen über 400 Exemplare auf, die sie während zweier Monate unterschiedlichen sozialen und ökologischen Bedingungen aussetzten. Nach den ersten zwei Lebensmonaten wurden die Fische wieder in eine neutrale Umgebung überführt und drei Jahre lang beobachtet.

In Verhaltenstests stellte sich heraus, dass die unterschiedlichen Früherfahrungen entscheidend dazu beitrugen, welche sozialen Fähigkeiten die Buntbarsche entwickelten – insbesondere, ob sie zu dominanten oder zu unterwürfigen Gruppenmitgliedern wurden.

"Unterwürfige Tiere zeigen dem dominanten Brutpaar ihre Unterordnung mit einem Verhalten, das wir 'tail-quivering' nennen, was einem schnellen Wedeln mit der Schwanzflosse entspricht", sagte Fischer. Den Unterschied zwischen Brutpflegehelfern und Nicht-Helfern erkenne man, wenn Fische ein Eigelege vorgesetzt bekämen. "Sie können es entweder fressen oder pflegen."

Komplexe Entwicklung

Auch die Fähigkeit, die ursprüngliche Gruppe zu verlassen und sich in einer neuen zu behaupten, entscheidet sich demnach aufgrund früher sozialer Erfahrungen. Eine Begegnung mit Fressfeinden hingegen kehre diesen Einfluss der sozialen Erfahrungen um.

"Die soziale Entwicklung bei hochsozialen Tieren ist offenbar sehr viel komplexer, als wir vermutet haben", so Fischer. Die Forscher sind überzeugt, dass die späteren Entscheidungen von sozialen Tieren nur verstanden werden können, wenn man sie vom Beginn ihres Lebens an beobachtet. Die Studienergebnisse seien somit von Bedeutung für die weitere Forschung über hochsoziale Tierarten. (APA, 3.10.2017)