Was für und was gegen eine Olympiabewerbung spricht

3. Oktober 2017, 08:52

Tirol könnte die Spiele ausrichten – aber zu welchem Preis?

Manch einer will in Tirol olympisch hoch hinaus, manch andere bevorzugen den Boden der Tatsachen.
foto: apa/expa/jakob gruber

Was für eine Olympiabewerbung spricht

Gute Chancen: Nach Pyeongchang (2018) und Peking (2022) könnte wieder Europa zum Zug kommen. Bis dato ist keine Bewerbung offiziell – Sion (Schweiz), Lillehammer (Norwegen), Erzurum (Türkei), Calgary (Kanada) und Sapporo (Japan) sind interessiert.

Almaty (Kasachstan), das gegen Peking verlor, tritt eher nicht mehr an. Sollte es nur zwei Bewerber geben, könnte es wie bei den Sommerspielen 2024 (Paris) und Los Angeles (2028) zu einer Doppelvergabe 2026 und 2030 kommen.

Viele vorhandene Sportstätten: Natürlich ist St. Anton ein alpines, Seefeld ein nordisches, Hochfilzen ein Biathlon-Zentrum. Da gibt es nach diversen Weltmeisterschaften auch genügend Know-how. Selbiges gilt für Innsbruck (Skispringen, Rodeln/Bob/ Skeleton) und Inzell (Eisschnelllauf).

Turbo für Österreichs Sport: Österreich ist kein Sportland. Heimspiele könnten dazu beitragen, dass Österreich quasi sportlicher wird, nicht nur vor den TV-Geräten.

Winterspiele im Wintersportzentrum: In Sotschi, Pyeongchang und Peking wurden bzw. werden für viel Geld neue Anlagen aus dem Boden gestampft, die Nachnutzung ist weitgehend ungeklärt. Diese Sorge hätte man in Tirol nicht.

Sympathischer Ansatz: Pyeongchang und Peking werden an die Winterspiele 2014 in Sotschi, in die Russland rund 40 Milliarden Euro investierte (inkl. Infrastruktur), vielleicht nicht herankommen. Tirol 2026 sieht ein Budget von 1,175 Milliarden Euro vor und könnte somit tatsächlich am Beginn einer Redimensionierung stehen, wie sie auch vom IOC angestrebt wird, das zuletzt kaum noch Kandidaten fand.

Ausbau von Sportinfrastruktur: Auch wenn Tirol 2026 weitgehend mit vorhandenen Sportstätten auskommen will, würde man wohl die eine oder andere Investition tätigen. Flutlicht an der Bergiselschanze, wo tagsüber oft Wind weht, ist zwar überfällig, aber Anrainern ein Dorn im Auge. (fri)

Was gegen eine Olympiabewerbung spricht

Volksbefragung nur in Tirol: Kritiker monieren, dass keine bundesweite Volksbefragung stattfindet. Schließlich übernimmt der Bund eine Ausfallshaftung und kommt für die allgemeinen Sicherheitskosten auf.

"Manipulative" Fragestellung "Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck-Tirol 2026 legen?" Diese Frage ist laut Verfassungsrechtler Heinz Mayer "manipulativ" und "rechtswidrig". Droht eine Anfechtung beim VfGH?

Ungeklärte Kostenfrage: Bei Olympischen Spielen sind zuletzt stets die Kosten explodiert, vor allem Sicherheitsbudgets. Jenes in Vancouver 2010 lag bei 610 Mio. Euro.

Politischer Wille fehlt: Keine Partei hat sich wirklich hinter die Olympiabewerbung gestellt, alle haben die Sorge, bei negativem Volksentscheid als Verlierer dazustehen.

Einseitige Machbarkeitsstudie: Die 270.000 Euro teure Studie, die teilweise von Firmen erstellt wurde, die selbst von Winterspielen in Tirol profitieren würden, ist auf wichtige Fragen wie jene der allgemeinen Sicherheit sicherheitshalber nicht eingegangen.

Zum Teil ungeklärte Sportstättenfrage: Es fehlen u. a. Hallen für Eishockey/Eiskunstlauf. Mit der Olympiahalle (7200 Zuseher) würde man klar unter der IOC-Norm (12.000) bleiben. Hoffnung: Red-Bull-Chef Mateschitz will in München eine Halle (10.000) bauen.

Skepsis gegenüber dem IOC: Das Internationale Olympische Comité ist kein Sympathieträger, auch der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach riss das Steuer nicht herum. Etliche Spitzenfunktionäre waren und/oder sind in Skandale verstrickt.

Zu große Dimension: Die Erfahrung der Spiele 1964 und 1976 ist heute relativ wertlos. Auch die Jugendspiele 2012 hatten eine ganz andere Dimension als Olympia. (fri)