Foto: puls4

Nicken und lächeln: Strache gegen Kern auf Puls 4

3. Oktober 2017, 07:26

Nach harten Tagen im Wissen, dass man einiges in den Sand gesetzt hat – wer taucht da nicht gern durch die Wortmeldungen des Gegenübers?

Für Politiker – gerade solche im Wahlkampf – gehört es zu den größten Errungenschaften, als "einer von uns" zu gelten, als nahbarer Mensch mit Identifikationspotenzial beim gemeinen Volk, den dieses dann auch entsprechend gerne wählt. Auf dieser Ebene konnte der nach der Silberstein-Affäre arg strauchelnde SPÖ-Chef Christian Kern punkten, und zwar in der Puls-4-Diskussion mit dem FPÖ-Spitzenkandidaten Heinz-Christian Strache.

Nicht mit den mittlerweile sehr gut eintrainierten Geschichten von seiner Kindheit in Simmering (wenig Geld, dafür viel Liebe) oder von seiner Zeit als Alleinerzieher (wirklich gelernt, Verantwortung zu übernehmen). Sondern mit einer sozialen Taktik, mit der sich so viele von uns einfachen Bürgern durch unangenehme Situationen schummeln: nicken und lächeln, immer nicken und lächeln.

Das passt zwar inhaltlich nicht immer. Etwa wenn Strache meint, statt SPÖ-Mann Christoph Matznetter hätte Kern auch gleich Tal Silberstein selbst mit der Aufklärung der nach ihm benannten Affäre beauftragen können – und Kern nickt und lächelt. Oder wenn der FPÖ-Chef die sozialdemokratischen Pläne zur Reduktion der Mietpreise marxistisch nennt. Dagegen protestiert Kern im Anschluss zwar mit Worten, doch währenddessen: nicken und lächeln.

Nach ein paar harten Tagen im Wissen, dass man einiges in den Sand gesetzt hat – wer von uns taucht da nicht gern mit unpassender Mimik durch die Wortmeldungen des Gegenübers? Normalerweise würde diese Taktik keine Partei zum Stimmenfang in Erwägung ziehen. Aber in der Situation, in der sich die SPÖ gerade befindet, gelten andere Gesetze. (Sebastian Fellner, 3.10.2017)