Wiener Neos wollen mit "Lobautunnel light" Kosten sparen

3. Oktober 2017, 18:00

Eine Brücken-Tunnel-Kombination soll die Kosten für die umstrittene Nordostumfahrung senken

Wien – Bereits seit rund 15 Jahren wird der Bau der Wiener Nordostumfahrung geplant. Das innerhalb der rot-grünen Stadtregierung stark umstrittene Herzstück der Straße ist der acht Kilometer lange Lobautunnel, der teilweise unter Nationalparkgebiet verlaufen soll. Schon Ende 2016 wollten die Grünen, die sich vehement gegen den Tunnelbau ausgesprochen hatten, Alternativen präsentieren. Diese blieben jedoch bisher aus.

Am Dienstag haben daher die Wiener Neos einen Alternativvorschlag vorgestellt. Sie wollen einen "Lobautunnel light" anstelle des von der SPÖ vorangetriebenen Konzepts. Die pinke Variante wäre eine Kombination aus einer Brücke als Donauquerung und einem Tunnel unter dem Nationalpark. So soll der Tunnel, der erst nach dem Ölhafen Lobau beginnen soll, von acht auf zwei Kilometer verringert werden. "Es ist die schmalste Stelle der Lobau, aktuell geplant ist der Tunnel an der breitesten Stelle", sagt Neos-Verkehrssprecherin Bettina Emmerling. Auch die gesamte Nordostumfahrung soll durch ihre westlichere Lage gekürzt werden: von 19 auf 15 Kilometer Länge.

Die Kosten für ihren Vorschlag schätzt Emmerling auf 930 Millionen Euro – fast eine Milliarde weniger als der aktuelle Plan der Stadtregierung, der mit 1,9 Milliarden Euro veranschlagt ist.

Öffi-Ausbau im Nordosten Wiens

Zusätzlich zur Nordostumfahrung fordern die Neos ein Paket für die lokale Verkehrsentlastung von Floridsdorf und der Donaustadt. Die Öffi-Strecken sollen ausgebaut, neue Linien eingeführt werden.

So soll die Straßenbahnlinie 25 bis nach Großenzersdorf geführt werden, eine neue Linie 27 soll von Großjedlersdorf nach Kagran fahren. Der 31er soll als "Light Rail M31" verlängert und zur schnelleren Stadtbahn umgewandelt werden. Schnellbusse sollen zudem Marchegg besser anbinden. Für Emmerich eine "kostengünstige und nachhaltige Entlastung für den Verkehr und den Klimaschutz".

Fahrgemeinschaftsstreifen auf Tangente

In Hirschstetten und Groß-Enzersdorf sollen durch eine Umfahrung zudem die Ortskerne entlastet werden. Auf der Südosttangente wollen die Neos einen Fahrgemeinschaftsstreifen einrichten. Die vierte Spur soll nur von Autos mit zwei oder mehr Insassen genutzt werden dürfen.

Kosten sollen die lokalen Maßnahmen laut den Berechnungen der Neos 455 Millionen Euro. Insgesamt beläuft sich der Vorschlag damit auf 1,39 Milliarden Euro. Gespräche mit den Regierungsparteien habe es aber noch keine gegeben. "Wir wollen unsere Vorschläge beim nächsten Gemeinderat einbringen", sagt Emmerich. (Oona Kroisleitner, 3.10.2017)