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Red Bull Media House verneunfacht Umsatz – rechnerisch

3. Oktober 2017, 14:41

Mateschitz' Medienhaus wies voriges Jahr für 2015 61 Millionen Umsatz aus – und nun für dasselbe Jahr 456 Millionen Euro

Wien – Dietrich Mateschitz' Medienhaus mit Red Bull TV, Servus TV, "Red Bulletin" und "Servus in Stadt und Land" weist in seinem soeben deponierten Jahresabschluss für 2016 einen Umsatz von 541 Millionen Euro aus. Vor einem Jahr meldete dasselbe Red Bull Media House für 2015 noch 61 Millionen als Jahresumsatz – grob ein Neuntel des neuen Werts für 2016. Hintergrund offenbar: Einnahmen des Media House werden neu und anders zugeordnet.

Die neue Berechnung/Zuordnung lässt sich am Jahr 2015 in der Gewinn- und Verlustrechnung nachvollziehen. Im Jahresabschluss 2015 standen rund 61 Millionen Euro Umsatz. Der nun deponierte Jahresabschluss für 2016 weist für dasselbe Jahr 2015 einen Umsatz von rund 456 Millionen Euro aus. Die Differenz – rund 395 Millionen Euro – findet sich im Jahresabschluss 2015, ziemlich genau, noch unter den "sonstigen betrieblichen Erträgen" in der Zeile "übrige".

Ausschnitt aus dem Jahresabschluss 2015 – mit 2015 61 Millionen Umsatz und 395 Millionen übrige Erträge.
foto: rbmh jahresabschluss 2015 ausschnitt
Ausschnitt aus dem Jahresabschluss 2016 – mit 2015 (rechts) 456 Millionen Umsatz.
foto: rbmh jahresabschluss 2016 ausschnitt

Als "übrige" Erträge wies das Red Bull Media House in den vergangenen Jahren jeweils 250 bis 300 Millionen Euro aus, die der Konzern auf Nachfrage nicht erklären mochte. Die ebenfalls nachgefragte Mutmaßung, dass das Beiträge des Red-Bull-Gesamtkonzerns für Medienaktivitäten waren (und sind), ließ Red Bull Jahr für Jahr unkommentiert.

Eine Anfrage zu der neuen Zuordnung ging Dienstagmittag an Red Bull, die Antwort: "Als privates Unternehmen entspricht es, wie in vergangenen Jahren, nicht unserer Philosophie finanzielle Details zu veröffentlichen oder diese zu kommentieren."

War und ist die Zuordnung korrekt, dann lässt sich der Konzernbeitrag zum Red Bull Media House nach neuer Berechnung nicht mehr nachvollziehen, ebensowenig seine Entwicklung. In den vergangenen Jahren stiegen die Umsatzerlöse des Red Bull Media House stetig – etwa von 2014 52 Millionen auf 61 Millionen; die "übrigen" betrieblichen Erlöse noch deutlicher von 315 auf 395 Millionen 2015.

541 Millionen Umsatz, 13 Millionen Ergebnis

Der neue Jahresabschluss weist nun für 2015 456 Millionen Umsatz aus, für 2016 541 Millionen. Damit liegt das Red Bull Media House nun recht plötzlich auf Platz zwei der umsatzstärksten Medienhäuser in Österreich.

Das Ergebnis vor Steuern stieg laut aktueller Gewinn- und Verlustrechnung von 2015 10,4 Millionen Euro auf nun rund 13 Millionen Euro.

Umstrukturiert, eingespart

Mit Anfang 2017 hat Konzernboss Dietrich Mateschitz begonnen, sein Medienhause neu zu strukturieren, 69 Jobs (bei nach eigenen Angaben mehr als 1000 Mitarbeitern) wurden gekürzt, eine Reihe teils langjähriger und hochrangiger Medienmacher wie Karl Abentheuer, Hannes Steiner und Wolfgang Winter verließen das Media House.

Abseits des Red Bull Media House rief Mateschitz im Frühjahr 2017 die Stiftung Quo Vadis Veritas samt gleichnamiger Redaktionsgesellschaft ins Leben und startete vor wenigen Tagen die Medienplattform "Addendum". (fid, 3.10.2017)