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Lieber Open Source: Schleswig-Holstein trennt sich von Microsoft und Co

3. Oktober 2017, 18:17

Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen beginnt den vereinbarten Umstieg

Im Mai wurde im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein gewählt. Wenige Wochen später ging die erste (wenn man von einem kurzlebigen Versuch im Saarland absieht) "Jamaika-Koalition" aus CDU, FPD und Grünen an den Start. Eine Konstellation, die nach den Bundestagswahlen auch auf nationaler Ebene zustande kommen könnte.

Im nördlichsten Teil des Landes hat man im der Koalitionsvereinbarung jedenfalls ein ambitioniertes IT-Projekt vereinbart. Die Landesregierung will Microsoft und Co. "Adieu" sagen. Statt Windows und anderer proprietärer Software soll komplett auf Open Source umgesattelt werden. Erste Schritte wurden bereits unternommen, berichtet Heise.

Open Source als "vordringliche" Wahl

Ziel ist es, die Abhängigkeit der öffentlichen Verwaltung von großen IT-Konzernen möglichst zu reduzieren. Bei der Anschaffung neuer Lösungen werden also Ausschreibungen so gestaltet, dass möglichst quelloffene Produkte zum Zug kommen. Allerdings nur "vordringlich", also wenn die Open Source-Alternative in Sachen Eignung gleichwertig ist. Die vollständige Ablösung ist das langfristige Ziel.

Zuständig ist ein von der neuen Regierung geschaffenes "Digitalministerium". Die Beschaffung läuft über den Dienstleister Dataport. Die Nutzung quelloffener Lösungen soll für mehr Sicherheit und Transparent sowie folglich auch Verhinderung von Überwachung bürgen.

Offene Spezialsoftware fehlt

Im Backend sei man mit der Umstellung bereits gut vorangeschritten. Als schwierig erweist sich allerdings die Konstellation auf speziell für bestimmte Tätigkeiten zugeschnittene Software und die Verwendung zahlreicher proprietärer Schnittstellen. Hier fehlen am Markt oft einfach noch Alternativen.

Auf den Spuren von Limux und Vicenza

Mit dem Vorhaben tritt Schleswig-Holstein auch in die Spuren von Städten wie Vicenza, wo man ebenfalls dabei ist, die öffentliche Verwaltung auf Open Source-Produkte wie die Linux-Distribution Zorin OS umzurüsten.

Als Vorzeigeprojekt galt lange auch die Stadt München mit Limux. Die seit 2014 amtierende Stadtregierung aus SPD und CDU hat die Umstellung aber mittlerweile abgebrochen und eine Rückkehr zu Microsoft-Produkten eingeleitet. Kürzlich verschwanden auch die Informationen zu Limux vom Webportal der Stadt. (red, 03.10.2017)