Foto: dpa/Armin Weigel

Ein Einfamilienhaus in Kitzbühel kostet so viel wie 20 im Waldviertel

4. Oktober 2017, 13:29

Kitzbühel ist mit 1,6 Millionen Euro im Mittel Österreichs teuerster Bezirk. Die Preise von Einfamilienhäusern stiegen landesweit um 9,4 Prozent

Wien – Der Traum vom eigenen Einfamilienhaus – in manchen Regionen Österreichs wird er für Otto Normalverdiener wohl ein solcher bleiben. In Kitzbühel, dem teuersten Pflaster des Landes, waren im ersten Halbjahr 2017 laut dem Maklernetzwerk Remax im Schnitt 1,6 Millionen Euro für dessen Erfüllung hinzublättern, das entspricht einem Preisanstieg von 53 Prozent binnen fünf Jahren. Begründet wird der starke Anstieg mit hoher Nachfrage aus dem angrenzenden Deutschland. Zum Vergleich: Um denselben Preis könnte man im eher strukturschwachen niederösterreichischen Waldviertel eine ganze Siedlung mit 20 Einfamilienhäusern erstehen.

Generell verzeichnete Tirol im ersten Halbjahr 2017 mit 575.000 Euro, das sind laut Remax 44 Prozent mehr als vor einem Jahr, nicht nur heuer den größten Kostenanstieg, sondern auch den höchsten Durchschnittspreis für ein Einfamilienhaus. Der zweitteuerste Bezirk ist nämlich die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck vor der Stadt Salzburg, Wien und Mödling. In der Bundeshauptstadt, wo Einfamilienhäuser verglichen mit Wohnungen freilich eine eher untergeordnete Rolle spielen, lag der Häuserpreis im Mittel mit 513.000 Euro um 14 Prozent höher als zwölf Monate zuvor. Wien ist somit zweitteuerstes Bundesland Österreichs.

Im österreichischen Durchschnitt müssen Käufer für ein Einfamilienhaus 223.000 Euro hinblättern, das entspricht einem Anstieg um mehr als neun Prozent im Jahresabstand. "Dieser Preisanstieg innerhalb eines Jahres ist für Einfamilienhäuser untypisch und in erster Linie in der aktuellen Marktsituation begründet", erklärt Remax-Geschäftsführer Bernhard Reikersdorfer. "Einer weiterhin überdurchschnittlich hohen Nachfrage stand ein rückläufiges Angebot gegenüber." Viele wollen ihm zufolge die tiefen Kreditzinsen noch für einen Hauskauf nutzen. Auffallend dabei: Insgesamt verringerte sich die Zahl der Verkäufe "nach zwei außerordentlich guten Jahren" um sechs Prozent, 4.936 Eigenheime wechselten in den ersten sechs Monaten des Jahres den Besitzer.

Gedämpft wurde der durchschnittliche Preisauftrieb von Niederösterreich, dem größten Markt für Einfamilienhäuser, wo fast ein Drittel aller Transaktionen über die Bühne ging. Mit 178.000 Euro blieben die Preise gegenüber dem Vorjahr konstant, wobei vor allem der Kostenrückgang bei günstigeren Einfamilienhäusern sich laut Remax bemerkbar machte. Ein Viertel der Objekte in Österreichs größtem Bundesland war um weniger als 85.000 Euro zu haben, im Bezirk Waidhofen an der Thaya sogar um vergleichsweise wohlfeile 57.000 Euro. "Die Schere geht immer weiter auf", sagt Managing Director Anton Nenning über den Preisunterschied zu den teuren Bezirken im Umfeld Wiens, wobei Mödling mit durchschnittlich 448.000 Euro "in einer eigenen Liga spielt".

Starker Preisanstieg in Salzburg

Im Jahresvergleich erzielte Salzburg hinter Tirol mit einem Zuwachs von 21 Prozent den stärksten Preisauftrieb: Der durchschnittliche Transaktionspreis für ein Einfamilienhaus von 397.000 Euro ergibt Rang drei im Bundesländerranking. Am günstigsten in das Burgenland, wo laut Remax entsprechende Objekte im Mittel um 125.000 Euro verkauft wurden, ein Anstieg um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Derzeit werden in ganz Österreich laut Remax 9.930 Einfamilienhäuser im Internet zum Kauf angeboten. "Die Anzahl der am Markt verfügbaren Einfamilienhäuser in Österreich ist weiter zurückgegangen und liegt deutlich unter dem Niveau der Vorjahre", betont Geschäftsführer Reikersdorfer. Remax lässt die Marktdaten auf Basis des Grundbuchs mit öffentlich zugänglichen Kaufverträgen erstellen, die zusammen mit Zusatzinformationen wie historischen Nutzwertgutachten oder den Fakten früherer Immobilieninserate ausgewertet und analysiert werden. (Alexander Hahn, 4.10.2017)