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Wer im Grünen wohnt, ist weniger gestresst

4. Oktober 2017, 12:24

In einer Studie wurde hat erstmals der Zusammenhang zwischen wohnortnaher Natur und der Hirngesundheit von Großstädtern untersucht

Berlin – Lärm, Luftverschmutzung und jede Menge Menschen: Das Leben in der Stadt kann chronischen Stress verursachen. Studien zufolge haben Städter ein größeres Risiko an psychischen Leiden wie Depressionen, Angststörungen und Schizophrenie zu erkranken als Landbewohner. Im Vergleich zeigen Städter eine höhere Aktivität des Mandelkerns – der sogenannten Amygdala, die eine wichtige Rolle bei der Stressverarbeitung und der Reaktion auf Gefahren spielt – als Landbewohner.

Psychologen vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung haben nun untersucht, welchen Einfluss wohnortnahe Natur wie Wald, städtische Grün- oder Wasserflächen und Brachland auf stressverarbeitende Hirnareale wie den Mandelkern haben.

"Forschungen zur Hirnplastizität stützen die Vermutung, dass die Umwelt sowohl die Hirnstruktur als auch deren Funktion formen kann. Uns interessiert deshalb, welche Umweltbedingungen sich positiv auf die Hirnentwicklung auswirken. Von Studien unter Landbewohnern wissen wir, dass naturnahes Leben gesundheitsfördernd für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden ist. So haben wir uns angeschaut, wie es sich bei Städtern verhält", erläutert Erstautorin Simone Kühn.

Keine Aussage über Kausalität möglich

Das Ergebnis: Die Wissenschaftler fanden in ihrer Studie einen Zusammenhang zwischen Wohnort und Hirngesundheit. Demnach zeigten Stadtbewohner, die nahe am Wald wohnten, vermehrt Hinweise auf eine physiologisch gesunde Struktur der Amygdala. Deshalb können sie vermutlich besser mit Stress umgehen als Menschen, die keine Grünflächen in unmittelbarer Wohnnähe haben, so die Schlussfolgerung der Forscher. Dieser Effekt blieb auch dann bestehen, wenn Unterschiede im Bildungsabschluss und in der Höhe des Einkommens herausgerechnet wurden.

Es konnte jedoch kein Zusammenhang zwischen städtischen Grün- oder Wasserflächen sowie Brachland und den untersuchten Hirnregionen nachgewiesen werden. Ob sich das waldnahe Wohnen tatsächlich positiv auf die Amygdala auswirkt oder ob Menschen mit gesünderer Amygdala waldnahe Wohngebiete bevorzugen, lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht klären, wie die Psycholgen betonen. Die Wissenschaftler halten aber vor dem Hintergrund bisheriger Erkenntnisse die erste Erklärung für wahrscheinlicher.

Insgesamt wurden 341 Erwachsene im Alter zwischen 61 und 82 Jahren für die Studie untersucht. Neben Denk- und Gedächtnisaufgaben wurde mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) die Struktur von stressverarbeitenden Hirnregionen – insbesondere der Amygdala – vermessen. Um untersuchen zu können, welchen Einfluss die wohnortnahe Natur auf diese Hirnregionen hat, brachten die Wissenschaftler die MRT-Daten mit Geoinformationen zum Wohnort der Probanden zusammen. (red, 4.10.2017)