Foto: REUTERS/Edgar Su

Vettel bläst in Suzuka zum Angriff

4. Oktober 2017, 12:59

Deutscher trotz Drucks ausbleibender Resultate zuversichtlich: "Unser Tempo ist vielversprechend"

Suzuka – Auf dem Formel-1-Jahrmarkt im japanischen Suzuka kann sich Sebastian Vettel Pleiten und Pannen nicht mehr erlauben. Der zuletzt von Motorenproblemen heimgesuchte Ferrari-Star muss auf dem Suzuka Circuit unweit des Vergnügungsparks Motopia die WM-Wende gegen Mercedes-Mann Lewis Hamilton erzwingen. Fünf Grand Prix vor dem Saisonende und bei 34 Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter rast Vettel die Zeit davon, die Asien-Tour droht zum WM-Flop zu werden.

Keine Strafversetzung für Vettel in Suzuka

"Unser Tempo ist vielversprechend", versicherte der viermalige Weltmeister dennoch und beteuerte: "Ja", er könne Mercedes noch schlagen. Immerhin wird Vettel von einer Startplatzstrafe nach dem skurrilen Crash mit Williams-Jüngling Lance Stroll auf der Auslaufrunde in Malaysia verschont bleiben. Der befürchtete Schaden am Getriebe hat sich nicht bestätigt, der Einbau eines neuen Ersatzteils ist damit hinfällig und somit auch eine Strafversetzung um fünf Plätze in der Startaufstellung.

Der Deutsche und Stroll waren auf der Auslaufrunde in Sepang zusammengekracht. Dabei wurde das Heck des Ferrari heftig demoliert. Die Scuderia befürchtete vor allem einen Getriebeschaden. Dem Reglement zufolge muss ein Getriebe in sechs Rennen nacheinander eingesetzt werden. Sonst erfolgt die Strafe von fünf Plätzen.

Ferrari-Patron Sergio Marchionne hat ohnehin von den Hiobsbotschaften genug: Crash-Ausfälle von Vettel und Teamkollege Kimi Räikkönen in Singapur, Platz vier für Vettel nach einer furiosen Aufholjagd und ein Ausfall Räikkönens wegen eines defekten Motors in Malaysia. "Das ist kein großes Problem, wenn so etwas in unserer Fabrik vorkommt. Es ist aber echt mies, wenn man auf Rang zwei ist und dann nicht starten kann", zürnte Marchionne mit Blick auf den Fall Räikkönen.

Vier Siege von Vettel in Suzuka

Im Schatten des Riesenrads will Vettel am Sonntag (7.00 Uhr MESZ/live ORF 1, RTL und Sky) aber für seinen WM-Endspurt dringend nötige Kraft schöpfen. Viermal hat der Deutsche schon auf dem 5,807 Kilometer langen Kurs gewonnen. Zuletzt 2013, als er im Red Bull seinen letzten Titel holte. "Ich bin nicht zu sehr besorgt, wir müssen aber die Probleme in den Griff bekommen", meinte Vettel angesprochen auf die jüngsten Defizite bei Ferrari in Sachen Zuverlässigkeit.

Drei Erfolge von Hamilton ebendort

Hamilton raste in Japan dreimal als Erster über die Ziellinie. 2007 in Fuji, 2014 und 2015 in Suzuka. Wie so viele Fahrer mag er diesen Wechsel enger Schikanen mit flüssigen Kurvenkombinationen und langen Vollgaspassagen. Wie so viele Fahrer missfallen ihm Mängel am eigenen Wagen. In Malaysia waren Red Bull und Ferrari deutlich schneller.

Hamilton und Mercedes treibt die Sorge um, dass die leidgeprüfte Scuderia das WM-Comeback schafft. "Vor uns liegt noch Arbeit, vor uns liegen noch Rennen und einige können wir mit Sicherheit auch gewinnen. Wir müssen aber weiter Gas geben", betonte Hamilton.

Zuverlässiger Silberpfeil

In dieser Saison erweist sich sein Silberpfeil im WM-Zweikampf immerhin als zuverlässig. "Lewis hat in den zurückliegenden Wochen aus jeder Gelegenheit das Beste gemacht. Er war in einer fantastischen Form, ganz besonders seit der Sommerpause, und fährt derzeit mit einer perfekt ausgeglichenen Aggressivität", lobte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff seinen nachdenklichen Star.

Der Österreicher sieht Suzuka als wegweisende Bewährungsprobe. "Die zurückliegenden Wochen haben uns daran erinnert, dass frühere Erfolge mit den 2017er Autos und Reifen nicht viel bedeuten", sagte Wolff. 2016 siegte noch Nico Rosberg in Japan und wurde dann Weltmeister. Ein solches Szenario, allerdings mit Hamilton, würde Wolff gefallen. (APA, 4.10.2017)