Medienkulturen: Neues Forschungsinstitut trägt Peter Weibels Namen

5. Oktober 2017, 09:30

Medienkünstler legte mit Schenkung von 1.150 Exponaten den Grundstein

foto: apa/georg hochmuth

Wien – "Heute ist ein historischer Moment, der 1974 begonnen hat", scherzte Peter Weibel am Mittwoch im Rahmen der Vorstellung des neuen Peter-Weibel-Forschungsinstituts für digitale Medienkulturen an der Universität für angewandte Kunst Wien. Die neue Einrichtung basiert auf einer 1.150 Exponate umfassenden Schenkung des 73-jährigen Medienkünstlers und nimmt ihre Arbeit ab sofort auf.

"Visionär"

Finanziert wird das neue Institut, das sich in der Hinteren Zollamtsstraße 17, direkt neben dem im Frühling 2018 entstehenden Institut für Digitale Medienkunst sowie der neuen Abteilung für "Cross-Disciplinary Strategies" befindet, vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.

Für die Jahre 2017 und 2018 wurde ein Gesamtbetrag von 480.000 Euro zur Verfügung gestellt, in den kommenden Budgetverhandlungen soll das Institut in der Leistungsvereinbarung berücksichtigt werden. "Das Institut ist langfristig gesichert", unterstrich Rektor Gerald Bast. Wissenschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) würdigte Weibel als "Visionär, Pionier und Vordenker".

Prägende Figur

Rund 40 Exponate aus Weibels Archiv, das auch dessen Bibliothek umfasst, gehen an das MAK – Museum für angewandte Kunst, in dem sich eine Ausstellung ab 15. Dezember unter dem Titel "Ästhetik der Veränderung" dem 150-Jahr-Jubiläum der Angewandten widmet. Weibel hat zumindest die vergangenen 50 Jahre der Institution wesentlich mitgeprägt, wie Rektor Bast ausführte. Weibel habe nicht nur die erste Medienkunst-Klasse an der Angewandten installiert, sondern er sei "die Personifikation eines gebildeten Menschen, wie wir sie im 21. Jahrhundert viel mehr brauchen würden".

Bereits vor über 40 Jahren hat sich Weibel mit Computerwissenschaft und Mathematik auseinandergesetzt. Er habe damals etwa das "Institut für experimentelle Epistemologie" mitbegründet und zeichnete gemeinsam mit Franz Kaltenbeck für die deutsche Ausgabe des Sammelbands "Studien zur Theorie der Automaten" (1974) verantwortlich, der allerdings "kein Erfolg" geworden sei. Etwa zur selben Zeit sei in einer Garage in den USA die Computerfirma "Apple" gegründet worden. "Das war unser Fehler: Wir dachten, wir könnten all diese Fragen auf dem Papier lösen. Besser wir hätten uns eine Garage gemietet", so Weibel.

Forschungsschwerpunkt

Das nunmehrige Peter-Weibel-Forschungsinstitut soll "die Ausweitung des künstlerischen Medienbegriffes durch die Implementierung neuester Technologien (etwa Artificial Intelligence und Genetic Engineering) in den künstlerischen Prozess und die Analyse der gesellschaftlichen Wirkungspotenziale dieser neuen Kunstform unterstützen". Weibels unter anderem aus Fotos, Textcollagen, Videos, Installationen und Skulpturen bestehendes Archiv wird in das Institut eingebracht, angestellte Doktoranden werden sich der wissenschaftlichen und künstlerischen Forschung widmen. (APA, 5. 10. 2017)

foto: apa/georg hochmuth