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"Im Himmel wirst du es besser haben"

4. Oktober 2017, 17:02

Gegen Sprüche dieser Art, gegen Mitleid, gegen Vorurteile, für Akzeptanz – Behindertensportler diskutierten über Inklusion

Wien – "Ich wünsche mir, dass die Barrieren im Kopf anfangen zu bröckeln", sagt Sabine Weber-Treiber. Seit 2009, infolge einer Virusinfektion im Wirbelkanal, sitzt die Niederösterreicherin im Rollstuhl. "Mir braucht niemand über die Straße zu helfen", sagte die 38-Jährige im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema "Sport als Inklusionsmotor" am Dienstagabend im Wiener Ringturm. Weber-Treiber ist Schwimmerin, 2012 und 2016 hat sie an den Paralympics teilgenommen. "Schwimmen gibt mir die Kraft, viele Dinge anzupacken", sagt sie.

Markus Mendy Swoboda paddelt in der Weltspitze und gegen Vorurteile.
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Auch Markus Mendy Swoboda (27) war der Sport eine große Hilfe. Im Alter von sieben Jahren wurden ihm beide Beine amputiert, nachdem er in die Förderschnecke einer Hackschnitzelheizung geraten war. Er begann mit dem Kanusport, lange bevor dieser paralympisch war. Im Vorjahr gewann der sechsfache Weltmeister Silber in Rio. Welt- und Europameisterschaften der Parakanuten finden anders als in den meisten anderen Sportarten gemeinsam mit jenen der nichtbehinderten Sportler statt. "Wir werden akzeptiert", sagt Swoboda.

Swoboda stört das Mitleid

Was den Oberösterreicher im Alltag am meisten stört? "Das Mitleid." In Südafrika habe ihm einmal jemand gesagt: "Im Himmel wirst du es besser haben." Swoboda findet sein Leben auf Erden ziemlich in Ordnung. "Bei derartigen Gesprächen würde ich am liebsten gehen, aber so unfreundlich bin ich dann doch nicht."

Auch Rollstuhltennisspieler Nico Langmann hat unangenehme Erfahrungen gemacht. Im Alter von zehn Jahren habe ihm ein Platzwart den Zugang zum Tennisverein verwehrt, weil Langmann mit seinem Rollstuhl den Platz kaputtmache. Derartige Vorurteile haben sich mehr oder weniger erledigt. "Mit dem Rollstuhl macht man den Platz weniger kaputt als durch das Stoppen mit den Schuhen."

Langmann kennt nur das Leben im Rollstuhl. Seit einem Autounfall – der Wiener war damals zwei Jahre alt – ist er querschnittgelähmt. Im Vorjahr nahm er erstmals an Paralympics teil, heuer stieß er in die Top 20 der Weltrangliste vor. Auch im Tennis gibt es einige gemeinsame Turniere mit den Fußgängern. "Die Tenniselite hat enormes Interesse am Rollstuhltennis", sagt der 20-Jährige.

Gegen gemeinsame Spiele

Sollten auch Olympische und Paralympische Spiele gemeinsam abgehalten werden? "Das wäre der falsche Weg, alle über einen Kamm zu scheren", sagt Weber-Treiber. "Bei einer Zusammenlegung würde die Wertigkeit der Leistung verwaschen." Petra Huber, Generalsekretärin des Österreichischen Paralympischen Komitees (ÖPC), sagt: "Die Paralympics haben eine eigene Identität, sie sollten eigenständig bleiben."

Was die Inklusion im Alltag betrifft, sagt Weber-Treiber zum Abschluss: "Akzeptiert uns, so wie wir sind." (Birgit Riezinger, 4.10.2017)