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"Wiener durch und durch": Vranitzky wurde Ehrenbürger der Stadt

4. Oktober 2017, 17:28

Bürgermeister Häupl verlieh dem früheren Bundeskanzler die Auszeichnung zum 80. Geburtstag

Wien – Altkanzler Franz Vranitzky ist am Donnerstag 80 Jahre alt geworden – und zudem Ehrenbürger der Stadt Wien. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) überreichte dem früheren Bundeskanzler und SPÖ-Chef am Mittwoch bei einem Festakt im Rathaus die Auszeichnung. "Du hast als Sohn dieser Stadt unendlich viel bewirkt", begründete Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), der die Laudatio hielt, die Ehrung.

Orden zum 80er: Die Stadt Wien ehrt Franz Vranitzky.

"Franz Vranitzky ist Wiener durch und durch" – sowohl gebürtig als auch "mentalitätsmäßig", sagte Mailath-Pokorny, der ihm "Eleganz und Grandezza in jeglicher Hinsicht" sowie den Wiener Schmäh bescheinigte. Er sei weltoffen und "selbstverständlich zutiefst Sozialdemokrat und Antifaschist." Wien, aber auch insgesamt die Gesellschaft habe "essenziell und historisch von zwei Weichenstellungen profitiert", die Vranitzky eingleitet und umgesetzt habe: die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und das Bekenntnis zur Europäischen Gemeinschaft.

Kindheit im Nationalsozialismus

"Es gab eine Zeit, da hat man einen Wiener so definiert: Ganz egal, wo man geboren ist, aber wenn man im Telefonbuch steht und das mit einem slawischen Namen, dann ist man ein echter Wiener. Ich erfülle beide Voraussetzungen", scherzte Vranitzky. "Ich bin sehr geehrt, dass ihr an mich gedacht habt mit dieser Auszeichnung", sagte er. "Natürlich passt sie ausgezeichnet zum 80. Geburtstag. Mir fällt gar keine Torte ein, die man besser hätte schmücken können." Er bleibe bei seinem langjährigem Motto: "Jawohl, ich bin Wiener, von Geburt und aus Überzeugung."

Vranitzky bezog sich in seiner Dankesrede auf verschiedene Stationen seines Lebens, darunter auch auf seine Kindheit während des Nationalsozialismus. "Ich habe vieles mitgekriegt, was mich geprägt hat, wo ich in späteren Jahren und Jahrzehnten einfach null Verständnis hatte, so etwas wie NS-Gut und den Faschismus nicht abzulehnen."

Rauer Ton in der Politik

Auf die derzeitige Situation der SPÖ ging der ehemalige Kanzler und SPÖ-Chef, der in seinem kürzlich veröffentlichten Buch ein "Zurück zum Respekt" einfordert, in seiner Rede nicht ein. Von Journalisten am Rande der Veranstaltung darauf angesprochen, ob der Respekt in der Politik derzeit verloren gegangen sei, meinte er: "Ja, weitestgehend verloren. Es schaut so aus, als würden wir uns bald verabschieden davon." Der Ton sei rauer geworden, als zu der Zeit, in der er selbst politisch aktiv war. Auf die Dirty Campaigning-Affäre wollte Vranitzky nicht eingehen. Schadensbegrenzung könne die SPÖ auf jeden Fall noch betreiben – "indem sie alles unternimmt, um wieder zur Politik zurückzukehren".

Auch Häupl zollte Vranitzky, der von 1986 bis 1997 Regierungschef war, Respekt für seine Leistungen, vor allem auch in Hinblick auf den EU-Beitritt Österreichs. "Du warst einer, der immer die Stimme erhoben hat", sagte Häupl. Er sei ihm auch persönlich für vieles dankbar, sagte er, denn Vranitzky habe ihm etwa beigebracht, dass man einen "höheren Ernst" als er ihn in seiner Anfangszeit als Bürgermeister vielleicht gehabt habe, einzubringen habe.

Prominente Gäste

Der feierlichen Veranstaltung, die musikalisch von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker begleitet wurde, wohnten viele prominente Gäste aus Politik und Wirtschaft bei, darunter der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer (SPÖ), die Minister Hans Peter Doskozil, Thomas Drozda und Pamela Rendi-Wagner (alle SPÖ), Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne), der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch, LIF-Gründerin Heide Schmidt sowie mehrere Stadt- und Gemeinderäte. (APA, 4.10.2017)