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Mit Wohlstand wächst die Kluft zwischen den Geschlechtern

5. Oktober 2017, 07:00

Eine Studie zeigt: Männer sind hochgerechnet um 40 Prozent wohlhabender als ihre Partnerinnen

Wien – Männer in Österreich sind vermögender als Frauen. Besonders groß sind die Unterschiede bei den Superreichen – aber auch bei Paaren mit hoher Bildung. Insgesamt zieht sich der Gender-Wealth-Gap – also der geschlechterspezifische Vermögensunterschied – jedoch durch alle soziodemografischen Schichten, wie eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien verdeutlicht, die von der Arbeiterkammer in Auftrag gegeben wurde.

Die Untersuchung hat sich erstmals mit den Vermögensunterschieden zwischen Männern und Frauen in Österreich beschäftigt. Grundlage dafür war eine 2014 erstellte Erhebung zur finanziellen Situation in Haushalten, die in Zusammenarbeit mit der Oesterreichischen Nationalbank entstand. Dabei wurden mehr als 3.000 Haushalte befragt, berücksichtigt wurden sowohl Real- als auch Finanzvermögen abzüglich Schulden.

Kluft von 58.000 Euro

Das Ergebnis: Frauen besitzen im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer. In Paarhaushalten steigt der Wert auf 28 Prozent, mit einer Kluft von 58.417 Euro. Bei einem (hochgerechneten) Nettogesamtvermögen von 991 Milliarden Euro besaßen Männer 2014 durchschnittlich 165.068 Euro, Frauen verfügten über ein Vermögen von 126.580 Euro.

Die Studie beschäftigt sich unter anderem mit der Vermögensaufteilung nach Beschäftigungsausmaß. Wenig überraschend ging daraus hervor, dass in Österreich mehr Frauen als Männer einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen. Neu war für Studienautorin Alyssa Schneebaum jedoch der Vermögensunterschied bei voller Beschäftigung: "Auch wenn Frauen einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, besitzen sie um 43 Prozent weniger als Männer, die Vollzeit arbeiten."

Gap steigt mit Wohlstand

Auffallend ist, dass die Vermögensunterschiede mit der Höhe des Gesamtvermögens steigen: In Österreich besitzen die unteren 50 Prozent der Paarhaushalte rund sieben Prozent des Gesamtvermögens. Die Aufteilung zwischen Mann und Frau ist dabei nahezu gleich. Bei den Superreichen, also jenem einen Prozent der Paare, die in Österreich über mehr als 28 Prozent des Vermögens verfügen, besitzen Frauen hingegen nur ein Viertel des Paarvermögens.

Auch in puncto Bildung können Frauen den Gender-Wealth-Gap nicht schließen: "Wenn Mann und Frau beide einen Uniabschluss haben, besitzen Männer trotzdem extrem viel mehr", sagt Schneebaum. Bei Paaren vergrößert sich der Vermögensabstand bei derselben Bildungsstufe zusätzlich, je besser beide Partner ausgebildet sind. So beträgt der Vermögensunterschied bei Pflichtschulabschluss rund 1000 Euro, bei einem Universitätsabschluss rund 514.000 Euro.

Bei den Befragungen haben jene Personen im Haushalt den Fragebogen ausgefüllt, die nach eigener Angabe die meisten Einblicke in die Finanzen haben. In 70 Prozent der Haushalte hatten Männer und Frauen gleichermaßen das Sagen. In jenen Fällen, in denen Frauen diese Positionen einnahmen, ist der Vermögensunterschied zwischen den Geschlechtern wesentlich geringer.

Scheidungen belasten Männer

Weitere Ergebnisse der Studie: In knapp drei Viertel der Paarhaushalte besitzen Frauen und Männer in etwa gleich viel Vermögen, in 18 Prozent besitzt der Partner mehr, in den übrigen zwölf Prozent die Partnerin. Eine Ausnahme bildet das Vermögen in Singlehaushalten, in diesen besitzen Frauen durchschnittlich zwei Prozent mehr als Männer. Wird statt dem Mittelwert jedoch der Median betrachtet, dreht sich die Differenz wieder zugunsten der Männer um. Die Unterschiede erklärt Schneebaum durch das Alter: Ledige Personen sind meistens jünger – und damit auch weniger wohlhabend.

Überrascht war Schneebaum über die Ergebnisse zur Erbschaft: Verwitwete Frauen in Singlehaushalten besaßen im Median 62 Prozent weniger als allein lebende, verwitwete Männer. Bei Scheidungen wurde eine höhere Belastung bei Männern festgestellt. Geschiedene, allein lebende Frauen besitzen rund zehn Prozent mehr als geschiedene Männer. (Nora Laufer, 5.10.2017)