Energiemarkt: Sonne schlägt Wind und Wasser

4. Oktober 2017, 18:24

2016 legte keine andere Energieform stärker zu als die Fotovoltaik, erhob eine Studie der Internationalen Energieagentur

Paris/London/Wien – Fotovoltaik, also die Produktion elektrischer Energie mittels Sonnenpaneelen, war 2016 die Stromgewinnungsform mit dem weltweit stärksten Kapazitätszuwachs. Das geht aus Zahlen der in Paris ansässigen Internationalen Energieagentur (IEA) hervor. Das Wachstum bei Wind- und Wasserkraft, das bis dahin Jahr für Jahr sehr stark war, verlangsamte sich hingegen.

Laut dem am Mittwoch in London präsentierten Bericht gab es im Vorjahr bei Solar eine weltweite Kapazitätssteigerung um 50 Prozent auf mehr als 74 Gigawatt. China allein war für etwa die Hälfte des Zubaus verantwortlich.

Gleichzeitig sind auch die Tarife für den aus Sonnenenergie gewonnenen Strom, der in einigen Ländern in Auktionsverfahren ermittelt wird, auf ein Rekordtief von rund drei Cent je Kilowattstunde (kWh) gesunken. Zu den Ländern, in denen das der Fall war, zählten beispielsweise Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Mexiko und Chile. Diese Tarife sind vergleichbar, teilweise sogar niedriger als die Gestehungskosten von neu errichteten Gas- oder Kohlekraftwerken.

Schlechtere Rahmenbedingungen

In Österreich gab es im Vorjahr auch einen Zubau an Solarkapazität, wenn auch einen vergleichsweise bescheidenen. Zu den gut 937 Megawatt (MW) installierter Leistung kamen knapp 156 MW hinzu, sodass die Gesamtkapazität an installierter Leistung per Jahresultimo 2016 bei mehr als 1090 MW lag. Das Plus von 2,6 Prozent gegenüber 2015 sei trotz schlechterer Rahmenbedingungen und einer langen Phase der Unsicherheit über die Ausgestaltung des Ökostromgesetzes gelungen, wie der Präsident des Interessenverbands Fotovoltaik Austria, Hans Kronberger, dem STANDARD sagte.

Einen Grund dafür sieht er in der zunehmenden Nutzung des Solarstroms für den Eigenverbrauch. Das gelte für Private und Gewerbebetriebe gleichermaßen – ein Trend, der sich fortsetzen dürfte.

Tendenz zu Eigenverbrauch

Unter dem alten, aus dem Jahr 2012 stammenden Ökostromgesetz sei es lukrativer gewesen, sämtlichen auf dem Dach gewonnenen Strom in das öffentliche Netz einzuspeisen und die benötigte elektrische Energie zuzukaufen. Für das Einspeisen von Solarstrom gab es bis zu 27 Cent je kWh, während Strom aus dem Netz um etwa 20 Cent, für manchen Gewerbebetrieb sogar deutlich billiger, zu haben war. Das ist unter dem neuen Förderregime, das im laufenden Jahr 7,91 Cent/kWh garantiert, nicht mehr der Fall.

Heuer rechnet Kronberger mit einem Kapazitätszubau von 30 Prozent. Die Eigenverbrauchsquote schätzt er auf 40 Prozent plus. (Günther Strobl, 5.10.2017)