Zehn Jahre Pädagogische Hochschulen: Liebe auf den zweiten Blick

5. Oktober 2017, 11:09

Bildungsministerin Hammerschmid für Autonomie und Ausbildung der Elementarpädagogen an PHs

Wien – Nicht ganz einfach war die vor zehn Jahren in Kraft getretene Umwandlung der Pädagogischen Akademien und Institute in Pädagogische Hochschulen (PH). "Für mich war es damals Liebe auf den zweiten Blick", fasste es etwa die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied bei einer Festveranstaltung am Dienstag zusammen. Amtsinhaber Sonja Hammerschmid (beide SPÖ) will den PH mehr Autonomie einräumen.

Schon Schmieds mit den Vorarbeiten zum entsprechenden Gesetz befasste Vorgängerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) hatte mit Widerständen zu kämpfen, als die insgesamt 54 Einrichtungen zu letztendlich 14 zusammengelegt und auf tertiärem Niveau angesiedelt wurden. "Es wollte niemand seinen Schrebergarten hergeben." Ursprünglich hätten die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrer vor allem an den Volks-, Haupt, Sonder-, Polytechnischen und Berufsschulen in nur neun PH erfolgen sollen. "Es ist aber nicht gelungen, manche PH zu überzeugen, dass sie mit anderen zusammenarbeiten könnte."

Bologna-Prozess

Die Ansiedlung der Pflichtschullehrer-Ausbildung an PH sei aber nötig gewesen – wegen der Qualität, der EU, der nötigen Anerkennung und aufgrund des Bologna-Prozesses, betonte Gehrer. Für die Zukunft wünscht sie sich eine Zusammenarbeit von Unis und PH bei der Lehrerausbildung "auf Augenhöhe". Die Ansiedlung der Pflichtschullehrerausbildung an eigenen Hochschulen statt an den (für die Lehrer an höheren Schulen zuständigen) Unis verteidigte sie: Die ehemalige bayrische Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) habe sie davor gewarnt, die Volksschullehrer-Ausbildung an die Unis zu geben: Diese würde dort "unter die Räder kommen".

Schmied musste mit den PH erst "zusammenwachsen", bekannte sie. Sie brachte auch mit den Wissenschaftsministern Johannes Hahn, Beatrix Karl und Karlheinz Töchterle die neue Lehrerausbildung auf den Weg, die unter anderem eine Zusammenarbeit zwischen Unis und PH bei der Ausbildung der Lehrer in der Sekundarstufe vorsieht. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass in den Curricula der Persönlichkeitsentwicklung mehr Raum gegeben wird und die PH zu "Marktplätzen der Themen und Ideen werden". Die Studenten könnten in ihren Bachelor- und Masterarbeiten zahlreiche Themen bearbeiten und die PH als Stätten der angewandten Forschung und Entwicklung verankern.

Inklusive Pädagogik

Schmieds Nachfolgerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) nannte die Verankerung der inklusiven Pädagogik als ihr Herzensthema an der PH. Hammerschmid wiederum verwies auf die Unis: Diese hätten sich im Rahmen der ihnen eingeräumten Autonomie substanziell weiterentwickelt. Das wünsche sie sich für die PH auch – daher sollen die derzeit als nachgeordnete Dienststellen des Bundes eingerichteten PH künftig mehr Freiheiten bekommen. Außerdem sollen künftig auch die Elementarpädagogen an den PH ausgebildet werden. (APA, 5.10.2017)