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Eigene Gewerkschaft für Ein-Personen-Unternehmen

5. Oktober 2017, 17:13

Vor allem die Situation beim Krankengeld und der Versicherung soll verbessert werden

Wien – 306.000 Ein-Personen-Unternehmen (EPUs) gibt es in Österreich. Diese will nun die Verkehrsgewerkschaft Vida mit einem eigenen Servicepaket an Bord holen. Vidaflex nennt sich diese neue Initiative, die in dieser Form in Europa einzigartig ist. Für 25 Euro im Monat wird Hilfe bei Steuer- und Rechtsfragen, eine Versicherung und ein Weiterbildungspaket angeboten, verkündete Vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit. Umgesetzt wird das Servicepaket mit externen Partnern wie der Sparda-Bank, HFP Steuerberater und D.A.S. Rechtsschutz. Zu den 306.000 EPUs gehören gut 65.000 Personen, die in der Pflege tätig sind. Der Frauenanteil bei EPUs liegt bei 51 Prozent, das Durchschnittsalter bei 46 Jahren.

Vidaflex ist als Schwestergewerkschaft gegründet, da die österreichischen Regulative nicht ausreichen, um eine Gewerkschaft nach diesen Anforderungen zu organisieren. Der Unterschied zu einer ÖGB-Mitgliedschaft ist, dass Leistungen, die noch nicht von Vidaflex selbst erbracht werden können, an externe Partner ausgelagert werden.

Bundeskanzler Christian Kern sieht in den Menschen hinter den EPUs "die Ziegelarbeiter des dritten Jahrtausends". Er verweist immer wieder auf den Wandel von Gesellschaft und Arbeitswelt. Und dass es die Pflicht der Politik sei, auf diesen Wandel zu reagieren und ihn positiv mitzugestalten. Er plädierte für eine sofortige Auszahlung des Krankengeldes – statt nach einer Wartezeit von sechs Wochen. Und auch die Selbstbehalte beim Arztbesuch möchte der Kanzler abschaffen. "In einem Ein-Personen-Unternehmen wird Krankengeld, erst nach 43 Tagen rückerstattet. Bis dahin gehen Existenzen verloren", sagt Kern bei der Vidaflex-Eröffnung.

In der Wirtschaftskammer (WKÖ) zeigt man sich wenig begeistert vom Versuch der Vida, verstärkt EPUs anzusprechen. Laut Elisabeth Zehetner-Piewald, der EPU-Beauftragten in der Kammer, wolle die Gewerkschaft lediglich Selbstständige in Arbeitnehmer und potenzielle Gewerkschaftsmitglieder umwandeln. Wie für alle anderen Unternehmen auch sei die WKÖ die gesetzliche Vertretung für EPUs. (APA, and, 5.10.2017)

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