Foto: apa/herbert neubauer

Neun von zehn Gaskunden ließen Geld liegen

5. Oktober 2017, 16:59

Bis zu 700 Euro könnten Haushalte laut E-Control jährlich sparen, wenn sie vom angestammten Gasversorger zum billigsten Anbieter wechseln

Wien – 15 Jahre ist es her, dass der Gasmarkt in Österreich in Befolgung einer entsprechenden EU-Richtlinie liberalisiert worden ist. Seither können die rund 1,3 Millionen Haushalte und Kleinkunden, die in Österreich Gas verwenden, den für sie passenden Anbieter wählen. Das machen noch immer vergleichsweise wenige – und lassen damit bares Geld liegen.

Aktuell liege das Einsparpotenzial pro Haushalt und Jahr zwischen 421 Euro in Tirol und rund 700 Euro in Klagenfurt, hat die Regulierungsbehörde E-Control mittels Preisvergleich auf ihrem Tarifrechner festgestellt. Verglichen wurden die Angebote der etablierten Gasanbieter in ihrem jeweiligen Versorgungsgebiet mit dem jeweils günstigsten Konkurrenzangebot inklusive Einmalrabatt, den die meisten Anbieter Neukunden im ersten Jahr offerieren.

Höchstes Einsparpotenzial

"Das ist das höchste Einsparpotenzial seit Beginn der Liberalisierung im Oktober 2002", sagte Wolfgang Urbantschitsch in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Urbantschitsch bildet seit dem vergangenen Jahr zusammen mit Andreas Eigenbauer die Doppelspitze der E-Control.

Aus dem Fundus an Daten, den die E-Control zur Verfügung hat, lässt sich ableiten, dass knapp eine Million Gasbezieher noch nie den Anbieter gewechselt haben. Kumuliert betrachtet haben sich seit Beginn der Liberalisierung nur rund 336.000 Haushalte sowie 32.000 Unternehmen einen neuen Lieferanten gesucht – bei insgesamt rund 1,3 Millionen Gasverbrauchern in Österreich. Unter jenen, die zumindest einmal gewechselt haben, gibt es auch etliche "Wiederholungstäter".

In den Jahren nach der Liberalisierung lagen die Wechselraten zwischen 0,5 und ein Prozent pro Jahr. Erst seit 2011 sei die Wechselfreudigkeit kontinuierlich gestiegen, sagte Urbantschitsch – auf bis zu fünf Prozent 2016. Das heißt aber auch, dass neun von zehn Gasbeziehern ihrem Lieferanten im Vorjahr treu geblieben sind.

So viele Anbieter wie nie

Dabei gab es noch nie so viele Anbieter. Allein im Marktgebiet Ost (alle Bundesländer außer Tirol und Vorarlberg) sind 2016 neun neue dazugekommen; mittlerweile kann man im Osten Österreichs zwischen 25 Anbietern und mehr als 65 verschiedenen Angeboten wählen; im Westen Österreichs sind es 20 Anbieter und 60 verschiedene Produkte, zwischen denen man wählen kann.

Für Erdgas geben Haushalte zwischen durchschnittlich 881 Euro pro Jahr (Vorarlberg) und 1210 Euro (Netzgebiet Klagenfurt) aus – Netzkosten, Steuern und Abgaben inklusive. Jene Haushalte, die in den letzten zehn Jahren ihren Anbieter gewechselt haben, hätten sich rund 90 Millionen erspart, sagte Urbantschitsch.

Deutlich gestiegen sind seit der Liberalisierung die Speicherkapazitäten, die sich in den letzten 15 Jahren fast verdreifacht haben. Lagen die Speicherkapazitäten 2002, bezogen auf das Arbeitsgasvolumen, noch bei 32.202 Gigawattstunden (GWh), sind es jetzt knapp 92.200 GWh. Als Speicher dienen ausgeförderte Lagerstätten.

Anfang Oktober waren die Speicher laut E-Control zu 83 Prozent gefüllt. Auch wenn nur ein Teil des Speichergases österreichischen Kunden zur Verfügung steht und auch Abnehmer im Ausland Ansprüche darauf haben, sollte selbst ein strenger Winter in puncto Versorgungssicherheit kein Problem sein. (Günther Strobl, 5.10.2017)