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Schröcksnadel zu Vonns Plänen: "Sie soll in Kitzbühel fahren"

5. Oktober 2017, 14:44

ÖSV-Präsident hält nichts von einer Herren-Abfahrt mit Lindsey Vonn in Lake Louise. Sportdirektor Pum findet die Idee "total spannend", fordert aber eigenen Showbewerb

Wien – Gegenwind für Lindsey Vonns kühnen Plan: Die US-Amerikanerin wird bei ihrem Vorhaben, sich bei der Ski-Weltcup-Abfahrt 2018 in Lake Louise mit den Herren zu messen, mit Ablehnung aus dem ÖSV-Lager konfrontiert. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hält das Unterfangen der erfolgreichsten Skifahrerin aller Zeiten "für keine gute Idee" und verweist am Rande eines Pressetermins der Uniqua-Versicherung auf andere Sportarten wie Tennis oder Golf, wo man mit ähnlichen Aktionen auch nicht den gewünschten Erfolg erzielen konnte.

"Lake Louise ist ihre Lieblingsstrecke, aber keine Herausforderung. Dort fahre auch ich runter, der Vergleich wäre kein echter, weil es ja kein richtiges Herrenrennen ist. Wenn sie einen wirklichen Vergleich haben will, muss sie sich für ein anderes Rennen entscheiden", so der ÖSV-Boss, der aber eine Idee präsentiert, die es zweifelsohne in sich hätte: "Sie soll in Kitzbühel fahren, das wäre ein richtiger Vergleich. Wenn sie sagt, sie will dort antreten, dann würde ich großen Respekt haben. Aber möglicherweise fährt sie dann nur einmal hinunter." Schröcksnadel hält Vonns Vorhaben für einen "guten Gag, aber nicht mehr."

Pum pro Showbewerb

Etwas anders sieht das ÖSV-Sportdirektor Hans Pum, der den Plan der US-Amerikanerin prinzipiell "total spannend, ganz ehrlich" findet und ihn auch unterstützen würde, wenn der Vergleich der Geschlechter "im Rahmen eines Show-Bewerbs" ausgetragen wird. "Wenn es für Vonn und den amerikanischen Verband so wichtig ist, dann sollen sie einen Show-Bewerb organisieren. Ich kann mir vorstellen, dass das gut funktioniert."

Pum erweist der mit 77 Siegen erfolgreichsten Dame im Skiweltcup Respekt. "Das ist sensationell!" Im Zuge eines Weltcuprennens mache der Vergleich aber keinen Sinn, dazu müssten einige Reglementänderungen vorgenommen werden und das stünde im Grunde genommen für eine einmalige Geschichte nicht dafür.

Training mit Herren

Auch für den ÖSV-Sportdirektor ist klar, dass es sich dabei "um eine reine PR-Aktion handelt. Sie wird natürlich interessieren, wie sie im Vergleich mit den Herren abschneidet. Aber eigentlich weiß sie das ohnehin genau, weil sie immer wieder mit den Herren mittrainiert." So zum Beispiel bei der Vorbereitung in Südamerika.

Dass ein Start Vonns bei den Herren für verstärkte Aufmerksamkeit sorgen würde, glaubt auch Pum nicht. "Ich glaube nicht, dass wir mehr Einschaltquoten haben würden, die hat es bei vergleichbaren Events auch nicht gegeben."

Zukunftsmusik

Außerdem gebe es zu bedenken, "dass wir über etwas diskutieren, was sehr weit weg ist, eventuell im November 2018 sein könnte. Und niemand von uns weiß, ob sich Vonn nicht nach Olympia entschließt, aufzuhören."

Vonn selbst "möchte an etwas teilnehmen, bei dem ich an mein Maximum getrieben werde" und mit dieser Aktion mehr Aufmerksamkeit auf den Skisport lenken. Pum ist diesbezüglich skeptisch. Da das Herrenrennen in Lake Louise auf demselben Hang wie das wenige Tage später geplante Damenrennen stattfindet, dürfte Vonn dann nicht starten, weil so knapp vor dem Rennen kein Befahren des Hangs mehr erlaubt ist. "Die Frage ist, was bringt das dann für den Damensport? Ist das die Werbung, die man haben will oder schadet man damit mehr?"

Marlies Schild als Vorreiterin

Eine Frau, die auch den Vergleich mit den Herren nicht scheute, ist Marlies Schild. Die ÖSV-Slalom-Queen startete bereits 2012 beim Nachtslalom in Schladming als Vorläuferin und war im ersten Durchgang nur 2,96 Sekunden langsamer als Marcel Hirscher, zwischenzeitlich sogar schneller als ihr im Weltcup auch sehr erfolgreicher Mann Benni Raich, dem sie sich am Ende nur um 1,6 Sekunden geschlagen geben musste. Mit ihrer Zeit hätte sie sich übrigens als 25. für den zweiten Durchgang qualifiziert.

Pum fände eine Starterlaubnis für Vonn nicht fair, weil so auch Kolleginnen wie zum Beispiel Mikaela Shiffrin auf den Plan gerufen werden könnten. "Wie reagiert man dann? Man kann nicht argumentieren, dass nur Vonn starten darf, weil sie die Erfolgreichste ist." Außerdem ist der Oberösterreicher überzeugt, dass sich auch manche ÖSV-Damen gerne mit den Herren messen würden. "Weil sie gut sind, es sich zutrauen und das Herz dazu haben. Aber man muss sich das genau überlegen." (Thomas Hirner, 5.10.2017)