Deutscher Verfassungsschutz will Befugnis für Cyber-Gegenangriffe

5. Oktober 2017, 14:54

Um gestohlene Daten löschen oder Angreifer im Internet selbst ausspähen zu können

Der Bundesverfassungsschutz fordert die Befugnis zu Cyber-Gegenattacken, um gestohlene Daten löschen oder Angreifer im Internet selbst ausspähen zu können. Bei Gegenangriffen in der Cyber-Welt gehe es nicht nur darum, ausländische Server abzuschalten oder zu zerstören, über die Attacken liefen, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Donnerstag bei einer Anhörung des Geheimdienstausschusses des Bundestags in Berlin. Dafür habe der Auslandsgeheimdienst BND die Fachkompetenz, wenn auch nicht die rechtliche Befugnis. Nötig seien mit Blick auf sogenannte Hack-Backs auch niedrigschwelligere Möglichkeiten. "Da denke ich zum Beispiel daran, dass man Daten löschen kann – deutsche Daten, die auf einen fremden Server abgeflossen sind."

Angriffsserver selbst infizieren

Auch eine Art digitale Nacheile müsse gestattet sein. "Wenn wir als Inlandsnachrichtendienst erkennen, dass (...) der Bundestagsserver gehackt ist und die Daten abfließen auf einen ausländischen Server, muss es im Sinn einer Nacheile möglich sein, diese Daten löschen zu können, bevor sie weiterverbreitet werden", forderte Maaßen. Der Dienst müsse den Angriffserver auch selbst infizieren dürfen, um mehr Informationen über den Angreifer zu sammeln. "Das wäre, wie wenn man in der Realwelt einen ausländischen Agenten umdreht und zu einem Counter-Man macht, dass also dieser ausländische Agent dann für uns arbeitet." So etwas müsse in der Cyber-Welt auch möglich sein.

Auch BND-Chef Bruno Kahl erklärte, Cyber-Gegenangriffe könnten in manchen Situationen sinnvoll sein. Dies sei etwa der Fall, wenn der Dienst die Aufklärung einer Attacke selbst so weit vorangetrieben habe, dass die feindlichen Strukturen erkannt und die Ursachen identifiziert seien. Dann könne es Sinn machen, die Angriffsquelle direkt auszuschalten statt sich zurückzuziehen und die Aufgabe jemand anderem aufzuerlegen. Dafür habe sein Dienst aber bisher keine Befugnis. "Technisch möglich ist es. Die Expertise ist auch vorhanden", sagte er. "Aber der BND darf es nicht." Die Entscheidung darüber liege bei der Politik.

Politiker und Führungskräfte laut Umfrage dafür

In einer Umfrage unter Politikern und Führungskräften der Wirtschaft plädierte eine Mehrheit dafür, dass Deutschland die Fähigkeit zu Cyber-Angriffen erhält. 51 Prozent der befragten Politiker und 53 Prozent der Wirtschaftsführer sprachen sich in einer Allensbach-Studie für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte dafür aus. Besonders stark war die Zustimmung im konservativen Lager und bei der FDP: 84 Prozent der Politiker von Union und FDP fanden es grundsätzlich richtig, dass Deutschland sich die Möglichkeiten verschafft, Cyber-Attacken zu fahren. Bei SPD, Grünen und Linken waren nur 24 Prozent dieser Meinung. (Reuters, 5.10.2017)