Urtümliches Moos soll Licht ins Dunkel der Pflanzenevolution bringen

7. Oktober 2017, 07:30

Forscher sequenzierten das Genom des Lebermooses und erforschen damit Grundlagen der Entstehung der ersten Landpflanzen

Wien – Neue Aufschlüsse über die Entstehung des Lebens an Land verspricht die Forschung zum Lebermoos (Marchantia polymorpha). Ein internationales Forscherteam mit Wiener Beteiligung hat nun erstmals das Erbgut dieses besonders urtümlichen "Unkrauts" entschlüsselt. Das sei ein wichtiger Schritt zur Beantwortung grundlegender biologischer Fragen, berichten die Wissenschafter im Fachblatt "Cell".

Das Lebermoos ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Pflanzen. Von Gartenbesitzern wird der moosartige Strauch zwar meist als Unkraut betrachtet, für die Wissenschaft ist das Gewächs jedoch von großem Interesse. Auch am Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) in Wien befasst sich eine Forschungsgruppe um Frederic Berger mit dem Moos, um mehr über die Grundlagen des Lebens zu erfahren. Nachdem sich die frühen Landpflanzen aus Süßwasser-Algen entwickelt hatten, ähnelten sie wahrscheinlich drei Gruppen moderner Pflanzen, darunter auch dem Lebermoos.

Blick in die Vergangenheit

Darum gingen nun rund 100 Wissenschafter unter der Leitung von John Bowman von der Monash University (Australien) daran, das Erbgut des Mooses zu analysieren. Im Zuge dessen zeigte sich, dass das Lebermoos nicht nur den Aufbau besonders alter Pflanzen behalten hat, sondern auch einige urtümliche genetische Aspekte,.

Diese Studie mache klar, dass das Moos sogar mehr Eigenschaften der ursprünglichen Landpflanzen behalten hat als jede andere heute lebende Pflanze. "Die Durchführung dieses Genom-Sequenzierungsprojekts sollte es uns ermöglichen zu verstehen, wie sich Landpflanzen entwickelt haben", sagte Berger. (APA, 7. 10.2017)