Rosa Winkler-Hermaden

Projekt "Creau" soll Image von neuem Stadtviertel in Wiener Krieau prägen

6. Oktober 2017, 14:00

Bis September 2018 gibt es Flohmärkte, Konzerte und Kabarettabende. Dann werden Hochhäuser errichtet

Wien – Davon, dass es am Tag vor der Besichtigung der Creau viel geregnet hat, zeugt die riesige Regenlacke inmitten des Areals im zweiten Wiener Bezirk. Fast hat es den Anschein, als würde es sich um einen kleinen See handeln, der sich zwischen ehemaligen Pferdestallungen, Containern, Holzmöbeln und Hochbeeten auftut. Die Gebäude spiegeln sich im Wasser, ein Vogel nutzt das Wasser für ein kurzes Bad. Auch die Betreiber der Creau mögen das Bild idyllisch finden, gleichzeitig ist damit aber Arbeit verbunden. Bis zum nächsten Event muss das Wasser abgepumpt sein. Einmal mehr heißt es improvisieren.

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Die Creau gibt es seit knapp einem Jahr. Das ein Hektar große Grundstück samt alter Wirtschaftsgebäude am östlichen Ende der Krieau nahe der U-Bahn-Station Stadion ist ein sogenanntes Zwischennutzungsprojekt. Beinahe das gesamte Areal rund um die Trabrennbahn gehört einer Immobilienentwicklungsfirma, die sich am westlichen Ende der Krieau bereits für das Stadtentwicklungsgebiet Viertel Zwei verantwortlich zeigt. Am Immobiliendeal gab es einst heftige Kritik, die Stadt veräußerte die Krieau-Gründe um rund 60 Millionen Euro und versprach dazu die Sanierung denkmalgeschützter Bereiche.

Keine Fördergelder

Bis September 2018 hat die IC Development GmbH das leerstehende Areal der Creau via Prekarium der Leerstandsagentur Nest überlassen. Diese zahlt dafür Investitions- und Betriebskosten, aber keine Miete. Bei Nest handelt es sich um ein privates Unternehmen. Obwohl sich die Stadt die Bekämpfung und Attraktivierung von Leerstand an die Fahnen heftet, fließt kein Fördergeld. Der Name Creau steht für kreative Au.

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Unter dem Stichwort kreativ lassen sich auch jene Projekte zusammenfassen, die bisher hier stattfanden. Zum Beispiel der Wintermarkt Ochs und Esel, die Messe Fair Fair, Flohmärkte, Konzerte, Kabarettabende. Auch Yoga wurde im Sommer angeboten und TU-Studenten errichteten Holzskulpturen für die Freiflächen. Nicht zu vergessen der von Gastro-Kritikern hochgelobte Punks' Imbiss.

Viele Ideen, wenig Ressourcen

Nest gründete für die Projektabwicklung die Genossenschaft Usus, an der rund zehn Leute beteiligt sind, darunter Eventmanager, Tischler, Architekten. "Die Lernkurve ist enorm", sagt Marlies Stohl auf das vergangene Jahr zurückblickend. "Man erlangt die Fähigkeit, aus sehr wenig etwas zu machen." Stohl zeichnet sich für PR und Eventmanagement verantwortlich. Im Gespräch fällt das Wort Selbstausbeutung. Viele Ideen, wenig Ressourcen – damit kämpfen die Betreiber.

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Die IC Development GmbH bezeichnet die Zwischennutzung bisher als Erfolg. Kein Wunder, erlangt der Ort doch eine Bekanntheit, die es dafür bisher nicht gab. Das Image bleibt auch nach Abriss der Stallungen, hoffen die Immobilienentwickler, die über eine Verlängerung des Vertrags mit den Creau-Betreibern nachdenken. Wohl auch um das Zeitfenster bis zum Baubeginn der hier geplanten Hochhäuser auszufüllen. Neben dem Areal befinden sich Stallungen, die denkmalgeschützt sind. Derzeit sind noch Pferde untergebracht, mittelfristig ist eine Art Kulturmeile geplant, die wohl ein ähnliches Publikum wie die Creau anziehen soll.

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Know-how für weitere Projekte

"Es war von vornherein klar, dass unser Projekt nur für eine gewisse Zeit gedacht ist", sagt Stohl. Sie kann sich vorstellen, mit dem hier erworbenen Know-how anderorts ähnliche Projekte aufzuziehen. Dennoch schwingt Wehmut mit, Visionen und Ideen gäbe es viele. "Es wäre schön, wenn das hier ein Museumsquartier im Grünen werden würde", nennt Stohl ein Beispiel.

Zumindest vier Enzis – jene Sitzmöbel, die üblicherweise im Museumsquartier zu finden sind – haben es schon in die Creau geschafft. Auf ihnen kann man auch kommendes Wochenende Platz nehmen, wenn Sturmtage auf dem Programm stehen. Der Jahreszeit entsprechend wird zu Livemusik Sturm und Most ausgeschenkt. (Rosa Winkler-Hermaden, 6.10.2017)

Wundern Sie sich, warum das Jugendstilhaus um die Ecke seit Jahren leer steht? Fragen Sie sich, was mit dem Brachland in Ihrer Gemeinde passieren soll? Schreiben Sie uns an leerstand@derStandard.at! DER STANDARD recherchiert zu ungenutzten Objekten in ganz Österreich und widmet sich in dieser Serie den politischen Zusammenhängen von Leerstand. Hier finden Sie alle Serienteile.