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Spusu darf wieder Roaming-Gebühren verlangen

6. Oktober 2017, 15:30

Der österreichische Regulator genehmigt Ausnahmeregelung befristet auf ein Jahr

Seit 15. Juni sind Roaming-Gebühren innerhalb der EU gestrichen. Weitgehend jedenfalls, denn es gibt noch einige Ausnahmeregelungen. Diskonter Spusu darf für ein Jahr weiterhin Gebühren verlangen, wie der österreichische Regulator RTR nun entschieden hat.

Befristet bis Oktober 2018

Befristet vom 3. Oktober 2017 bis zum 2. Oktober 2018 darf das Unternehmen maximal 0,0504 Euro pro Minute für abgehende Anrufe, 0,024 Euro pro ausgehender SMS sowie 0,01044 Euro pro MB verlangen. Das geht aus einem Bescheid der RTR vom 2. Oktober hervor. Die Zuschläge werden dann verrechnet, wenn die in den Tarifen inkludierten Freieinheiten aufgebraucht wurden, wie das Unternehmen in einer Stellungnahme betont.

Die Erhebung von Roaming-Gebühren zusätzlich zum inländischen Endkundenpreis geht aus einer Ausnahmeregelung der EU-Roaming-Verordnung hervor. Mass Response gab an, dass die Anwendung der Verordnung "zwangsläufig zu existenzbedrohenden negativen Deckungsbeiträgen führen würde", heißt es in der Begründung des Regulators. Somit wäre die "Tragfähigkeit seines inländischen Entgeltmodells nicht sichergestellt". Der Anbieter wies im Endkunden-Roaming-Geschäft für den Zeitraum von August bis Juli 2018 eine negative Nettomarge von Minus 397.000 Euro aus.

Kritik an Verordnung

Geschäftsführer Franz Pichler kritisiert die Roaming-Verordnung. Man sei gezwungen 7,70 Euro (exkl. Mehrwertsteuer) pro Gigabyte bei anderen Providern einzukaufen. "Der Verkaufspreis an den Endverbraucher liegt bei Spusu lediglich bei 4 Euro." Günstigere Anbieter ohne eigenes Netz würde dadurch auf der Strecke bleiben. "Es wäre ein Leichtes sämtliche Daten allen EU-Bürgern ohne Aufpreis zur Verfügung zu stellen. Der Knackpunkt liegt einzig und allein in den Entgelten für Provider", so Pichler.

Spusu hat auf seiner Website bereits die neuen Entgeltbestimmungen, die für Neukunden ab Oktober 2017 gelten, veröffentlicht. Bestandskunden sind davon vorerst noch nicht betroffen. (br, 6.10.2017)

Update: Stellungnahme von Spusu ergänzt und präzisiert, wann Aufschläge verrechnet werden.

Links

Bescheid der RTR zu Spusu

Spusu

Nachlese

Roaming-Ende: Kunden müssen weiterhin auf Gebühren achten