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Merck: 9.000 Beschwerden über Schilddrüsenmedikament

7. Oktober 2017, 07:00

Nach zahlreichen Beschwerden stellt der Pharma-Konzern Merck in Frankreich das alte Schilddrüsen-Medikament bereit. In Österreich ist das Produkt nicht auf dem Markt

Der deutsche Pharmakonzern Merck ist nach Beschwerden über Nebenwirkungen eines neu formulierten Schilddrüsenmedikaments um Schadensbegrenzung bemüht. Merck kündigte kürzlich an, in Frankreich insgesamt 190.000 Dosen des alten Mittels Euthyrox zur Verfügung zu stellen. In Österreich ist die Neuformulierung nicht auf dem Markt.

Für das Nachfolge-Medikament Levothyrox, das in der Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion eingesetzt wird, sind beim französischen Gesundheitsministerium 9.000 Beschwerden von Patienten eingegangen. Levothyrox ist seit März erhältlich. Frankreich war das erste Land, in dem es eingeführt wurde. Die Nebenwirkungen reichen laut den Gesundheitsbehörden von Krämpfen über Haarausfall bis hin zu Kopfschmerzen und Schwindel. Die Gründe für die vermehrten Nebenwirkungsmeldungen in Frankreich sind noch nicht bekannt.

Französische Ermittler hatten bereits die Merck-Niederlassung im ostfranzösischen Lyon durchsucht. Die französische Justizpolizei geht Vorwürfen der Verbrauchertäuschung und Gesundheitsgefährdung nach. Das Unternehmen zeigte sich kooperationsbereit.

Rat: Behandlung nicht abbrechen

"Wir nehmen die Besorgnis der Patienten in Frankreich bezüglich Nebenwirkungen aufgrund der neuen Rezeptur von Levothyrox sehr ernst und arbeiten zur Überwachung aller Berichte eng mit der französischen Aufsichtsbehörde (Nationale Agentur für die Sicherheit von Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten, ANSM) zusammen. Für die überwältigende Mehrheit der über drei Millionen mit Levothyrox behandelten Patienten verlief der Übergang von der alten auf die neue Rezeptur problemlos. Merck rät Patienten in Frankreich davon ab, die Behandlung ohne ärztliche Beratung abzubrechen und mit ihrem Arzt zu sprechen", hieß es nun in einer Aussendung des Unternehmens.

Merck hat eine Forderung der französischen Arzneimittelbehörde aufgegriffen und eine neue Zusammensetzung seiner Levothyroxin-Produkte zu entwickeln. Der eigentliche Wirkstoff blieb gleich. Änderungen gab es bloß bei Hilfsstoffen. Die neuen Spezifikationen sollen für eine gleichbleibende Wirkstoffkonzentration über die gesamte Haltbarkeitsdauer des Medikamentes gewährleisten. "Die Rezepturänderungen haben keine Auswirkung auf die Wirksamkeit oder das Sicherheitsprofil von Levothyrox da der Wirkstoff (Levothyroxin-Natrium) derselbe bleibt", schrieb das Unternehmen. (APA, 7.10.2017)