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Glosse "Wortkunde": Elefantenrunde

Glosse
7. Oktober 2017, 08:00

Eine fragwürdige Nomenklatur: Elefanten sind gescheit, sozial, liebenswürdig und stark, und die anderen – Politiker

Die Qual der Wahl, das war lange nur eine Floskel des Wohlstands. Aber das ist vorbei. Dank diverser Privatsender sowie des ORF wird heutzutage jede Wahl zur Qual. Denn mittlerweile finden sogenannte TV-Duelle auf drei Kanälen statt, da sind diverse Stelldicheins im Radio gar nicht berücksichtigt, aber irgendwann muss man ja aufs Klo auch.

TV-Duell bedeutete früher einmal einen Western. Also etwas, worauf man sich freuen konnte und wusste, am Schluss wird John Wayne gewonnen haben. Auch vorbei. Heute bedeutet TV-Duell, dass sich zumindest zwei Politiker gegenübersitzen und versuchen, sich schokoladig zu geben, obwohl sie angesichts ihres Kontrahenten mit Sodbrand kämpfen. Kommt es zu Diskussionsrunden, bei denen alle im Parlament vertretenen Parteien eingeladen sind, wird das Elefantenrunde genannt. Wobei schon die fehlende Größe der Geladenen den Begriff ad absurdum führt. Aber nicht nur das. Elefanten sind gescheit, sozial, liebenswürdig und stark, und die anderen – Politiker.

Diese fragwürdige Nomenklatur setzt sich fort, wenn Vertreter von nicht im Parlament vertretenen Parteien in sogenannten Ameisenrunden diskutieren. Auch der Begriff hält einem Faktencheck nicht stand. Ameisen sind gescheit, sozial, selbstlos, fleißig und bestens organisiert, die anderen wieder nur (Möchtegern-)Politiker. Es spricht also nicht für die menschliche Klugheit, sich mit Tieren zu vergleichen. Bleiben wir bei der Elefantenrunde. Keiner dort hat einen Rüssel, keiner dort hat große – ... Füße, und keinen möchte man mit dem (ohnehin falschen) Kosenamen Dickhäuter bedenken. Schließlich erweisen sich doch die meisten Politiker in der Auseinandersetzung als dünnhäutig bis wehleidig. Und erst die Sache mit dem Gedächtnis. Jenes der Elefanten ist legendär. Es lässt sie nie vergessen, woher sie kommen und wohin sie müssen. Politiker hingegen wissen meist einen Tag nach der Wahl schon nicht mehr, was sie davor versprochen haben.

Da käme jetzt das Gedächtnis der Eintagsfliege ins Bild. Aber das wäre ja schon wieder ein Tiervergleich. (Karl Fluch, 7.10.2017)