, Christian Hackl

Starke Österreicher bezwingen Serbien mit 3:2

Österreich hat Serbien durch Tore von Burgstalller, Arnautovic und Schaub mit 3:2 besiegt. Marcel Koller genoss das Abschiedsgeschenk, er hinterlässt keinen Trümmerhaufen

Erster Tor für Guido Burgstaller.

foto: apa/neubauer

Letztes Heimspiel für Marcel Koller.

foto: apa/georg hochmuth

Kevin Danso spielte eine gute Partie.

foto: apa/hochmuth

Es hat deutliche Hin- beziehungsweise Beweise gegeben, dass das Fußballspiel am Freitagabend sehr wohl in Wien stattgefunden hat. Schließlich hat das Happel-Stadion einen Wiedererkennungswert, die U2 fährt zudem nicht nach Belgrad. I am from Austria wird nie in Stadien Rest-Europas gespielt. Die serbischen Fans waren freilich in Überzahl, die österreichischen hatten sich brav integriert. "Heut‘ zählt nur der Sieg" stand auf einem Transparent geschrieben, das traf eher auf den Gast zu, denn in diesem Falle wäre er fix bei der WM in Russland gewesen. Und das sollte zusätzliche Kräfte freisetzen.

Österreichs Mannschaft konnte mit Wehmut und Unbekümmertheit dagegen halten, schließlich war es wohl das letzte Spiel an dieser Stätte für den scheidenden Teamchef Marcel Koller. Der Rahmen passte, Hauptsache voll, 42.400 Zuschauer hatten sich eingefunden. Und die Minderheit rief Kollers Namen, was ihn durchaus rührte. Der Schweizer wurde während der Vorbereitung von Marko Arnautovic und Co bauchgepinselt, die Trennung als grober Fehler bezeichnet.

Hoffnungen und Premieren

Noch einmal nominierte Koller exakt elf Männer, der 19-jährige Verteidiger Maximilian Wöber debütierte links in der Viererkette. Das defensive Mittelfeld bildeten Stefan Ilsanker und Kapitän Julian Baumgartlinger. Marc Janko konnte von der Bank aus verfolgen, ob sein Nachfolger Guido Burgstaller im zwölften Länderspiel endlich einmal trifft.

Die größten Hoffnungen ruhten fast schon traditionell auf Arnautovic, der in den vergangenen zwei Jahren als einer der wenigen die Erwartungen nicht unterboten hat. Aufgrund seiner serbischen Wurzeln liebt er "beide Länder", insofern war es für ihn besonders emotional, er hatte quasi nichts zu verlieren. Aleksandar Dragovic befand sich in einem ähnlichen Gemütszustand. Ob das Fehlen von David Alaba, Martin Harnik, Marcel Sabitzer und Martin Hinteregger ein Vor- oder Nachteil war, wird die Welt nie erfahren.

Starker Beginn

Die individuelle Klasse der serbischen Kicker ist unbestritten, trotzdem erwischten die österreichischen den besseren Start. 6. Minute: Wunderbare Aktion, Grillitsch zu Arnautovic, der bedient Florian Kainz, der Bremen-Legionär vergibt fahrlässig, wobei die Fußabwehr von Goalie Vladimir Stojkovic spektakulär war. 9. Minute: Arnautovic köpfelt knapp daneben. Tore, die man nicht schießt, bekommt man bekanntlich in der 11. Minute: Zu kurze Kopfballabwehr Wöbers, präziser Flachschuss von Luka Milivojevic aus rund 18 Metern, Heinz Lindner ist machtlos, 0:1.

Die ÖFB-Auswahl blieb unbeirrt, sie hatte helle Momente und einen Lichtblitz in Minute 25: Langer Pass von Kevin Danso, Burgstaller schaltet den Turbo ein, macht eiskalt das 1:1. Womit sein Knoten geplatzt war. 36. Minute: Nach Zuspiel von Moritz Bauer scheitert Burgstaller an Stojkovic. 40. Minute: Serbischer Gefahrenmoment, Lindner pariert den Schuss von Dusan Tadic. Noch eine Chance für Kainz, Fazit der ersten Hälfte: starke Leistung, klarer Vorteil Österreich.

Schaub zur Entscheidung

Die Partie blieb intensiv, Louis Schaub ersetzte Kainz (61.), Arnautovic steigerte sich, Grillitsch zeigte Schusskraft (63.), Serbien scheute das Risiko. 76. Minute: Schaub zu Burgstaller, der passt quer auf Arnautovic, der das 2:1 emotionslos feiert. Schließlich liebt er beide Länder. Dass der Ausgleich gefallen ist, war typisch für die verkorkste Qualifikation. Superstar Nemanja Matic von Manchester United trifft aus einem Gestocher zum 2:2 (83.). Untypisch ist das 3:2 von Schaub in Minute 89. Eine Mischung aus Schuss und Flanke landet im Tor, Arnautovic hatte den Ball nicht mehr berührt.

Österreich hat diesmal voll überzeugt, Koller lächelte, er hinterlässt keinen Trümmerhaufen. Serbien kann am Montag mit einem Heimsieg gegen Georgien die WM in Russland trotzdem aus eigener Kraft erreichen. Österreich tritt in der Republik Moldau an. Platz vier in Gruppe D kann weder verbessert noch verschlechtert werden, er ist einzementiert. Schade. (Christian Hackl, 6.10.2017)

Fußball-WM-Qualifikation/Gruppe D/9. Runde:

Österreich – Serbien 3:2 (1:1)
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 42.400, SR Pavel Kralovec/CZE

Torfolge:

0:1 (11.) Milivojevic
1:1 (25.) Burgstaller
2:1 (76.) Arnautovic
2:2 (83.) Matic
3:2 (89.) Schaub

Österreich: Lindner – Bauer, Danso, Dragovic, Wöber – Grillitsch (77. Lazaro), Baumgartlinger, Ilsanker, Kainz (61. Schaub) – Arnautovic, Burgstaller (82. Gregoritsch)

Serbien: Stojkovic – Ivanovic, Nastasic, S. Mitrovic – Rukavina (69. Ljajic), Milivojevic, Matic, Kolarov – Tadic, A. Mitrovic, Gacinovic (87. Prijovic)

Gelbe Karten: Ilsanker, Wöber, Burgstaller, Bauer, Dragovic bzw. keine

  • Stimmen:

Marcel Koller (Teamchef Österreich): "Ich glaube, es sind immer auch Kleinigkeiten. Wir haben heute die Tore geschossen und hatten noch viele Möglichkeiten. Schon in den ersten zehn Minuten hatten wir zwei Riesenchancen. Die Serben schießen einmal aufs Tor, und der ist drin. Wir haben defensiv sehr diszipliniert gespielt. Wir haben das gut hinbekommen, Heinz Lindner hat dann auch gute Paraden gezeigt."

Über die gesamte Qualifikation: "Du musst bei jedem Spiel beißen, kratzen, jeden Meter musst du beackern. Wenn du das nicht machst oder nicht machen kannst, wird es schwierig. In unserer Gruppe waren Wales, Irland, die auch vom Körperlichen kommen. Es war eigentlich immer eng, es war nie so, dass wir abgeschossen wurden. In Serbien hatten wir Chancen, in Wales, in Irland. Wir haben dann auch individuelle Fehler gemacht, die der Gegner ausgenützt hat. Es war sehr schön bei den Fans jetzt noch. Es ist eine wunderschöne Atmosphäre."

Slavoljub Muslin (Teamchef Serbien): "Die Österreicher waren trotz der vielen Ausfälle besser, hatten mehr Chancen und haben deshalb verdient gewonnen. Es tut uns leid, dass uns heute die Qualifikation nicht gelungen ist. Jetzt wollen wir das am Montag schaffen. Wir haben am Schluss mehr Risiko genommen, weil ein Unentschieden nicht gereicht hätte. Deswegen ist es so gekommen."

Florian Kainz: "Der Plan ist heute aufgangen. Wir haben sehr viel hochwertige Chancen herausgespielt, leider aber in der ersten Hälfte zu wenig genutzt. Man hat gesehen, dass wir von der ersten Minute an da waren, dass wir wollten. Aber es ist klar, dass wir noch mehr Tore hätten machen müssen. Jetzt wollen wir das letzte Spiel auch noch gewinnen."

Marko Arnautovic: "Ich glaube, ich habe ihn (den Ball vor dem 3:2; Anm.) nicht berührt. Damit hab ich den Tormann getäuscht, ich gebe das Tor Louis Schaub. Wir haben sehr viele Chancen gehabt. Ich denke, dass wir verdient das Spiel gewonnen haben. Wir spielen Fußball, um Spiele zu gewinnen, deswegen freuen wir uns natürlich über die drei Punkte. Jetzt haben wir noch ein Spiel, das wollen wir auch gewinnen, um die WM-Qualifikation gut abzuschließen. Die Qualifikation war unglücklich. Wir hätten fast alle unsere Spiel gewinnen sollen von den Chancen her. Schade, dass wir nicht dabei sind."

Maximilian Wöber: "Ich glaube, ein besseres Match für das Debüt hätte man sich nicht vorstellen können. Es war ein richtig geiles Spiel heute. Es ist ein unglaubliches Gefühl, eine andere Anspannung. Es erinnert mich ein bisschen an mein erstes Match für Rapid. Ich freue mich, dass ich das Trikot meines Landes tragen darf. Am Ende habe ich schon etwas Krämpfe bekommen, das ist vielleicht auch der ungewohnten Position geschuldet."

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