Foto: Mass Effect Andromeda

"Mass Effect"-Entwickler: "Habe gesehen, wie Leute 15.000 Dollar für Mikrotransaktionen ausgaben"

24. Oktober 2017, 12:35

Manveer Heir übt Kritik an EA und Co: Es geht nur ums Geld

Der Grund, weshalb EA klassischen Blockbuster-Produktionen für Einzelspieler abgeschworen hat, ist nicht, weil Spieler heute andere Formen von Games bevorzugen, sondern weil diese dank Mikrotransaktionen und Lootboxen weit mehr Geld einbringen. Dies behauptet zumindest der ehemalige Bioware-Montreal-Entwickler Manveer Heir, der unter anderem am Gameplay-Design der Titel "Mass Effect 3" und "Mass Effect Andromeda" mitgearbeitet hat.

Open-World und Lootboxen

In einem Podcast-Interview mit Vice erläutert Heir die Gründe, weshalb EA kürzlich die Schließung des Studios Visceral Games und die Neuausrichtung dessen "Star Wars"-Spiels angekündigt hatte, und wieso große Spielhersteller wie EA, Activision, Ubisoft und die meisten anderen AAA-Publisher generell zunehmend auf Open-World- und Multiplayer-Designs setzen.

"Sie treiben generell Open-World-Games voran. Und der Grund dafür ist, dass man sie besser monetarisieren kann", so Heir. Durch das offene Spieldesign hätten Spieler mehr Anreize immer wieder zurück zu kehren, um weiter in das Spiel und ihren Charakter zu investieren. Als Beispiel nennt Heir so genannte Multiplayer-Card-Packs, die man in den neueren "Mass Effect"-Games mit Spielgeld und Echtgeld erwerben kann, um neue Ausrüstungsgegenstände zu erhalten. Ein System, das heute von "Destiny 2" über "Forza Motorsport 7" bis "Assassin's Creed Origins" nicht nur in Free2Play-Spielen sondern auch in zahlreichen Vollpreisspielen Einzug gehalten hat.

Massenhaft Geld

"Ihr müsst verstehen, um wie viel Geld es bei Mikrotransaktionen geht. Ich darf keine Zahlen nennen, aber ich kann sagen, als der 'Mass Effect 3'-Multiplayer herauskam, war die Menge an Geld, die wir mit dem Verkauf von Card-Packs einspielten so signifikant, dass 'Dragon Age' auch einen Multiplayer bekommen musste. Das ist der Grund, weshalb andere EA-Spiele einen Multiplayer erhielten, die davor keinen hatten, da wir den Nagel auf den Kopf getroffen hatten und eine Tonne Geld einbrachten. Ich habe gesehen, wie Leute 15.000 Dollar für 'Mass Effect'-Multiplayer-Cards ausgaben", sagt Heir.

Dem Designer zufolge finde derzeit ein "zynischer" Wettlauf um die lukrativsten Games statt. Die Goldgräberstimmung sei aktuell so groß, dass man selbst populäre Spielserien und -konzepte verbiegt – auf Kosten der inhaltlichen Qualität. Bestes Beispiel dafür sei laut Heir "Mass Effect Andromeda", das aufgrund EAs Neuausrichtung gravierenden Änderungen am Spieldesign unterzogen wurde. Den Entwicklern bereitete vor allem der Umbau zu einem Open-World-Game Kopfzerbrechen. Letztendlich kam nicht das Spiel heraus, dass man ursprünglich geplant hatte. "Es geht ihnen tatsächlich nicht darum, was die Spieler wollen, sie interessiert nur das, wofür die Spieler Geld ausgeben." (zw, 24.10.2017)

"Mass Effect Andromeda" ist nicht das Spiel geworden, das sich Fans erhofft hatten.
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