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New York: Attentäter soll Verbindungen zum IS gehabt haben

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1. November 2017, 17:55

Acht Tote nach Attentat mit Kleintransporter – Trump kündigt Verschärfung der Einreisekontrollen an und macht die "Visa Lottery" der Demokraten verantwortlich

New York – Der mutmaßliche Attentäter von New York ist nach offiziellen US-Angaben in Verbindung zur Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gestanden. Der Gouverneur des US-Staates New York, Andrew Cuomo, sagte am Mittwoch dem Fernsehsender CNN, der aus Usbekistan stammende Mann sei mit dem IS "verknüpft" gewesen und habe sich innerhalb der Vereinigten Staaten radikalisiert. Die Behörden gehen vom Attentat eines Einzeltäters aus.

Die Ermittler fanden Medienberichten zufolge eine Nachricht, in der der Mann erklärt, die Tat im Namen der Islamisten-Miliz IS verübt zu haben. In der "New York Post" hieß es, Ermittler hätten in dem Pick-up auch ein Bild mit einer IS-Fahne gefunden. Laut weiteren Medienberichten soll der mutmaßliche Täter "Allahu Akbar" (arabisch für "Gott ist groß") gerufen haben. Ein Polizeisprecher sagte dazu lediglich, die Äußerungen des Mannes beim Verlassen des Fahrzeugs und die gesamten Umstände passten zu einem "Terror-Anschlag".

Die Bundesbehörden seien auf den Mann im Zusammenhang mit anderen Ermittlungen aufmerksam geworden, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf drei Insider. Worum es dabei ging, schrieb sie nicht. Gouverneur Cuomo wollte sich dazu nicht äußern. "Es ist zu früh, um eine konkrete Antwort zu geben", sagte er auf einer Pressekonferenz.

Acht Tote, mindestens elf Verletzte

Der 29-Jährige soll am Dienstag in New York mit einem Kleintransporter acht Menschen getötet und mindestens elf weitere verletzt haben. Der Fahrer habe mit dem gemieteten Fahrzeug im Stadtteil Manhattan auf einem Radweg zahlreiche Fußgänger und Radfahrer umgefahren und sei dann in einen Schulbus gerast, teilte die Polizei mit.

Als er aus dem Wagen geflohen sei, habe die Polizei ihn niedergeschossen und festgenommen. US-Präsident Donald Trump sprach noch am Dienstagabend auf Twitter von einem "Terroranschlag" und kündigte eine Verschärfung der Einreisekontrollen an.

Bericht der ORF-Reporterin Veit zu Anschlag in New York in der ZiB 13.
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Einwanderungsstatus unklar

Der mutmaßliche Attentäter stammt Behördenangaben und Medienberichten zufolge aus dem überwiegend muslimischen Usbekistan. Geboren wurde er im Februar 1988. Nach seiner Einreise in die USA lebte er vermutlich in Ohio, Florida und New Jersey. Aus Ermittlerkreisen heißt es, der 29-Jährige sei kein US-Bürger, sein Einwanderungsstatus war zunächst nicht klar.

Ein usbekischer Einwanderer, der den Mann vor einigen Jahren in Florida traf, sagte der "New York Times", dieser sei dort Lkw-Fahrer gewesen. In New Jersey habe er dann für den Fahrdienstvermittler Uber gearbeitet, sagte Kobiljon Matkarov der Zeitung. "Er war ein sehr guter Mann, als ich ihn kannte", sagte Matkarov. "Er mochte die USA. Er schien mir sehr glücklich zu sein. ... Er wirkte überhaupt nicht wie ein Terrorist, aber ich konnte natürlich nicht in ihn hineinschauen."

Die "Times" berichtete, der mutmaßliche Täter habe in Paterson in New Jersey gelebt, rund 40 Kilometer vom Ort des Anschlags entfernt. Am Mittwoch früh riegelte die Polizei dort ein Gebiet ab. Paterson ist bekannt für seine große Zahl an Einwanderern, rund 25.000 bis 30.000 der 150.000 Einwohner sind Muslime

Schwerster Anschlag seit 9/11

Der Mann habe wohl allein gehandelt, sagte Gouverneur Cuomo am Dienstag. Es gebe keine Hinweise darauf, dass es sich um eine breiter angelegte Tat handele. Der Terrorakt ist der schwerste islamistische Anschlag in New York seit dem Flugzeug-Attentat auf das World Trade Center, bei dem am 11. September 2001 mehr als 2.600 Menschen getötet wurden.

Die Tat trägt die Handschrift ähnlicher Anschläge, die Islamisten in diesem und im vergangenen Jahr in Europa verübt hatten, etwa in Nizza, Berlin und Barcelona. Die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) hatte diese Taten für sich reklamiert.

"Feiger Akt des Terrors"

Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einem "feigen Akt des Terrors". Präsident Trump erklärte über Twitter: "Wir dürfen es nicht zulassen, dass der IS zurückkehrt oder in unser Land gelangt, nachdem wir ihn im Nahen Osten und anderswo besiegt haben. Es reicht." Er habe das Heimatschutzministerium angewiesen, die Sicherheitskontrollen bei der Einreise zu verschärfen. "Politisch korrekt zu sein, ist gut, aber nicht dafür", twitterte er.

"Visa Lottery"

Dass Terroristen in die USA einreisen konnten, liege auch am "Diversity Visa Lottery Program", schreibt Trump und gibt dem Demokraten und US-Senator des Bundesstaates New York Chuck Schumer die Schuld. Schumer habe 1990 die Green-Card-Lotterie eingeführt. Bei der Verlosung müssen Bewerber in ihrem Antrag umfangreiche Angaben machen, die hart überprüft werden, etwa auf kriminellen Hintergrund.

Die Verteilung der zur Verfügung stehenden Green Cards (Aufenthaltserlaubnisse) erfolgt über Länderquoten. Bewerber aus Ländern, die in den Vorjahren ohnehin mehr als 50.000 Migranten in die USA entsandt haben, können nicht teilnehmen, darunter gegenwärtig Länder wie Bangladesch, Indien, die Philippinen oder Großbritannien. "Wir müssen diesen Wahnsinn stoppen", schrieb Trump am Mittwoch. Er wolle stattdessen ein System, das auf den beruflichen Fähigkeiten der Bewerber basiere.

Trump erwägt, den Attentäter von New York im umstrittenen Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba einsperren zu lassen. Auf eine entsprechende Frage sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten in Washington: "Ich würde dies sicherlich in Erwägung ziehen".

Trump versucht seit Monaten unter Verweis auf Sicherheitsgründe ein umstrittenes Einreiseverbot für Menschen aus mehreren muslimischen Ländern durchzusetzen. In einer offiziellen Mitteilung sprach er später den Opfern und deren Angehörigen sein Mitgefühl aus und dankte den Sicherheits- und Rettungskräften. Unter den Toten waren auch fünf Mitglieder einer Reisegruppe aus Argentinien.

Passanten überfahren

Der Polizei zufolge hatte der Täter den Pickup bei einem Baumarkt gemietet. Er sei dann am Nachmittag mit hoher Geschwindigkeit etwa 20 Straßenblocks weit über einen Radweg gerast, der parallel zu einem Highway in der Nähe des Hudson River verläuft. Dabei habe der Wagen zahlreiche Passanten erfasst. TV-Bilder zeigten mehrere beschädigte und überfahrene Fahrräder. Das Fahrzeug stieß letztlich mit einem Schulbus zusammen. Dabei wurden zwei Kinder und zwei Erwachsene verletzt. Anschließend sei der Fahrer offenbar bewaffnet aus dem Wagen gestiegen, teilte die Polizei mit. Daraufhin sei auf ihn geschossen worden.

Der Mann sei in den Bauch getroffen worden. Er habe ein Luftgewehr und eine Paintball-Waffe getragen. Der Feuerwehr zufolge wurden elf Schwerverletzte in Krankenhäuser gebracht. Von ihnen sei aber niemand in Lebensgefahr.

Die Pressekonferenz den New Yorker Bürgermeisters und Gouverneurs vom Dienstag zum Nachsehen.

Papst verurteilt Anschlag

International wurde der Anschlag mit Bestürzung aufgenommen. Der Papst hat den Familien der Opfer sein Beileid ausgesprochen. "Wir bitten den Herrn, die Herzen der Terroristen zu bekehren. Möge er die Welt vom Hass und vom mörderischen Wahnsinn derjenigen befreien, die den Namen Gottes missbrauchen, um Tod zu sähen", so der Papst beim Angelus-Gebet zu Allerheiligen auf dem Petersplatz. Franziskus kritisierte auch die Anschläge in Somalia und Afghanistan. "Kriege verursachen nur Friedhöfe und Tod. Die Menschheit scheint, diese Lehre nicht zu begreifen."

In Deutschland zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Kondolenztelegramm an Trump bestürzt über die "abscheulichen Gewalttat". Sie schrieb: "Dieser Akt des Terrors wird von der Bundesregierung auf das Schärfste verurteilt." Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) wünschte den New Yorkern, "dass sie sich durch diesen Anschlag nicht erschüttern lassen".

Der französische Präsident Emmanuel Macron twitterte: "Unser Kampf für Freiheit vereint uns mehr denn je." Die britische Premierministerin Theresa May sagte, "gemeinsam werden wir das Böse des Terrorismus besiegen".

Nach Angaben der argentinischen Zeitung "La Nacion" waren fünf Argentinier unter den Toten. Der belgische Außenminister Didier Reynders sagte, eine Belgierin sei bei dem Angriff getötet, und drei weitere Belgier seien verletzt worden. Unter den Verletzten sind nach Angaben der US-Behörden außerdem zwei Kinder, die in dem Schulbus unterwegs waren. (red, APA, Reuters, 31.10.2017)