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Kindesmisshandlung und Folter: Sony verteidigt harte Gewalt in "Detroit" und "The Last of Us 2"

2. November 2017, 10:03

Entwickler: "Meine Regel ist, Gewalt niemals zu glorifizieren"

Spielhersteller Sony sieht sich nach der jüngsten Präsentation der kommenden PS4-Spiele "Detroit" und "The Last of Us Part 2" im Vorfeld der Paris Games Week nicht nur mit positivem Feedback, sondern auch mit scharfer Kritik konfrontiert. Grund dafür sind die in den neuen Trailern dargestellte Gewalt. Eine Kontroverse, die den Konzern sowie einige Entwickler selbst dazu brachte, besagte Inhalte in Stellungnahmen gegenüber Medien zu rechtfertigen.

Der neue und umstrittene Trailer zu "Detroit: Become Human".
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Häusliche Gewalt

Für viel Diskussionsstoff sorgte einerseits eine Szene im futuristischen Thriller "Detroit: Become Human", in der häusliche Gewalt gezeigt wird. Darin wird man in der Rolle der Androidin und Haushaltshilfe Kara Zeuge, wie ein Vater seine Tochter verprügelt. Der französische Hersteller Quantic Dream wollte, wie aus dem Video hervorgeht, damit die unterschiedlichen Möglichkeiten aufzeigen, wie sich Geschichten in dem Story-Adventure entfalten können. Je nachdem, zu welchen Taten sich Spieler entscheiden, könne man Dramen abwenden und das Schicksal der Protagonisten mitbestimmen, wie es bereits in vorangegangenen Werken des Studios wie "Heavy Rain" der Fall war.

In einem Interview mit der Branchenseite Eurogamer ging Chefentwickler David Cage auf die Kritik ein und rechtfertigte die Szene damit, auch ernste und düstere Seiten der Gesellschaft thematisieren zu wollen. Diese Aufgabe solle nicht Literatur und Filmen vorbehalten sein, sondern auch von Spielentwicklern angegangen werden können. "Ich erschaffe etwas, das mich selbst bewegt und Bedeutung für mich hat. Und ich denke, Leute sollten die Szene sehen und das Spiel selbst spielen, um den Kontext wirklich zu verstehen", sagt Cage. "Die Regel, die ich mir selbst stelle, ist, Gewalt niemals zu glorifizieren und nie etwas grundlos zu machen. Es muss eine Bedeutung haben und ich will etwas kreieren, das hoffentlich auch anderen etwas bedeutet."

Nichts für schwache Nerven ist auch der neue Einblick in "The Last of Us Part 2".
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Eine Frage der Zielgruppe

Im Rahmen der Debatte Hinterfragt wurde auch Sony als Plattformbetreiber, der letztendlich darüber entscheidet, welche Inhalte für Playstation erscheinen dürfen und auf der hauseigenen Pressekonferenz gezeigt werden. Für besondere Aufruhr sorgte dabei eine Szene des kommenden Action-Adventures "The Last of Us Part 2". Darin sieht man vor dem Hintergrund einer postapokalyptischen Zombiewelt, wie es zu einem Kampf zwischen einer Bande und deren Gefangenen kommt. Dabei wird unter anderem explizit gezeigt, wie einer jungen Frau mit einem Hammer der Arm zertrümmert wird.

Wenngleich bereits der erste Teil der Serie für seine harte und abschreckende Gewaltdarstellung bekannt war, kritisierten einige Zuseher, dass Hersteller Naughty Dog die Szene ohne Kontext gezeigt hätte, wohl mit der Absicht, Leute zu schockieren. Laut Playstation-Verkaufschef Jim Ryan habe man allerdings auch keinen Hehl daraus gemacht, mit damit ein erwachsenes Publikum ansprechen zu wollen. "'The Last of Us' ist ein Spiel, das von Erwachsenen gemacht wird und von erwachsenen gespielt werden soll. Und es gibt einen Markt für Leute, die solche Games mögen", sagt Ryan in einer Stellungnahme gegenüber der Zeitung Telegraph. "Was wir versuchen ist, die unterschiedlichen Qualitäten der verschiedenen Games zu zeigen. Aber es ist schwer, die gesamte Spielerfahrung in einem Clip von vier oder fünf Minuten auf den Punkt zu bringen", so Ryan weiter. Dennoch stehe er zu der Entscheidung, "The Last of Us Part 2" auf diese Weise zu zeigen. Die kreative Entscheidung müsse man den Entwicklern überlassen, während man sich als Konsolenhersteller darauf fokussieren müsse sicherzustellen, dass die Inhalte altersgemäß vertrieben werden. (zw, 2.11.2017)