Foto: Stefan Voitl / Familienarena

Mountainbiker-Hotel soll die Wende am Wechsel bringen

7. November 2017, 11:50

Früher war St. Corona am Wechsel ein Wintersportort, heute setzt man auf das Mountainbiken. Um für die Touristen passende Unterkünfte zu entwickeln, wurden Architekturstudierende beauftragt

St. Corona am Wechsel war einst Wallfahrts-, dann Wintersportort. Dann einige Jahre lang gar nichts: Mit dem Ende der Wintersaison 2013/14 wurde der Liftbetrieb aus Kostengründen eingestellt, der Lift und die Sommerrodelbahn abgetragen. Die vier im Ort ansässigen Hotels sperrten zu.

"Rosig war die Situation vorher auch schon nicht", sagt Karl Morgenbesser, Geschäftsführer der Familienarena in St. Corona. Diese hat mittlerweile wieder ein kleines Familienskiland im Angebot, außerdem gibt es einen Motorikpark, einen Ameisenpfad, eine Sommerrodelbahn – und den "Wexlpark" für Mountainbiker. Besonders auf Letzteren setzt man im Knapp-400-Einwohner-Ort in der Buckligen Welt seine Hoffnung. "Unsere Trails sind in relativ flachem Gelände, das Einstiegsniveau ist also sehr gering", sagt Morgenbesser. Was derzeit noch fehlt, sind Unterkünfte für die Mountainbiker.

Familiensport dank E-Bikes

"Der Sport ist heute für sehr unterschiedliche Personengruppen interessant", umreißt Dietmar Wiegand, Professor für Projektentwicklung an der TU Wien, die Herausforderung. Während Mountainbiker früher eher "Freaks" waren, habe sich das Radfahren auf dem Berg mittlerweile zum Familiensport entwickelt – denn dank E-Bike schaffen es mittlerweile auch Ungeübte auf den Berg.

Im September gastierte TU-Professor Wiegand daher mit 20 Studierenden des Masterstudiengangs Architektur in St. Corona. Zuerst, berichtet Wiegand schmunzelnd, sei die Gruppe selbst einmal auf Mountainbikes herumgekurvt, um ein Gefühl für die Thematik zu bekommen. Dann entwickelten die Studierenden unterschiedliche Konzepte für neue Übernachtungsmöglichkeiten.

Vor kurzem wurden die drei Siegerprojekte gekürt. Eines davon sind die "Wexl Shelter" von Florian Sövegjarto und Simon Andert. Dabei handelt es sich um sehr einfache Übernachtungsmöglichkeiten für Biker, die ihr Geld lieber in ihre Räder als in ein Hotel stecken. Die Außenhaut der Unterkunft besteht lediglich aus einer PVC-Plane, die über ein Gerüstsystem gespannt ist.

Kompakte "Shelters"

In den kompakten "Shelters" gibt es eine gepolsterte Liegefläche, die mittels Leiter erreichbar ist. Außerdem kann im Zimmer auch das Fahrrad aufgehängt werden. Diese Übernachtungsmöglichkeiten könnten dann im Winter ab- und im Frühjahr wieder aufgebaut werden, so die Überlegungen des Studenten.

Die zweigeschoßigen "Tree Häuser" von Dominic Mimlich wiederum sind Häuser, die zwischen den Bäumen zu schweben scheinen – und für die es einer zahlungskräftigeren Zielgruppe bedarf. Ein weiteres Projekt namens "WexLiving" von Alexander Knöbl schlägt Chalets mit insgesamt 80 Betten vor.

"Alle drei Konzepte sind umsetzbar", sagt Karl Morgenbesser, der das Projekt in Auftrag gegeben hat. Schon im kommenden Jahr will er eine einfache Übernachtungsmöglichkeit wie das "Wexl Shelter" in Betrieb nehmen: "Später soll es dann bei größerem Bedarf auch höherwertige Konzepte geben." Die drei Siegermodelle sieht er als "wachsendes System" , mit den Studierenden will er künftig zusammenarbeiten.

Entwicklung im ländlichen Raum

An den "Wendepunkt" für St. Corona erinnert sich Morgenbesser genau: Damals, nach Investitionen durch das Land, hätten Investoren und Bevölkerung bemerkt: "Das hier ist unser Projekt."

"St. Corona ist ein schönes Beispiel für bürgerschaftliche Projektentwicklung", bestätigt auch Wiegand. Davon könnten viele Orte auf dem Land etwas lernen: "Entwicklung im ländlichen Raum funktioniert nur, wenn man Netzwerke bildet." Da müssten auch Konkurrenten zusammenarbeiten. "Wenn das die Akteure vor Ort nicht begreifen, dann funktioniert eine touristische Entwicklung nicht." In St. Corona ist diese Entwicklung laut Wiegand aber geglückt: "Es gibt also durchaus Hoffnung für den ländlichen Raum." (zof, 7.11.2017)